Asphalt, leb wohl

Ferienzeit (Foto: Jörg Rustmeier)

(Foto: Jörg Rust­mei­er)

Es ist so schön, das Köf­f­er­lein zu packen
und dem Asphalt zu sagen lebe­wohl.
Für ein paar Tage sich nicht abzu­pla­cken,
fort aus dem grau­en Dunst­kreis des Ben­zol.
Auf, in die Ber­ge oder in das Grü­ne.
Hin­ein ins Meer und in den Sand der Düne.
Nur fort nach irgend­ei­nem Ruhe­pol.
Ich mache Feri­en. Asphalt, leb wohl.

Ich hör’ im Geist der Her­de Glo­cken läu­ten,
statt Stra­ßen­bahn und Tele­fon.
Ich pfei­fe auf die Kunst der Phar­ma­zeu­ten
und schlür­fe Luft und Fich­ten­wal­do­zon.
Mein Glück ist wahr­lich kaum noch zu beschrei­ben,
ein­mal acht Tage unra­siert zu blei­ben.
Gewal­tig keimt aus mei­nem Kinn der Sauer­kohl.
Ich mache Feri­en. Asphalt, leb wohl.

Ich freu’ mich auf das Taschen­tü­cher­schwen­ken.
Bald geht der Zug, ich kann ins Freie sehn.
Mag nicht ans Kof­fer­wie­der­pa­cken den­ken
und laß’ die Uhr für ein paar Tage stehn.
Nun bin ich frei, weg mit dem Schlips und Kra­gen.
Ich möch­te ein paar Pur­zel­bäu­me schla­gen
und sin­ge so ver­gnügt wie der Pirol:
Ich mache Feri­en. Asphalt, leb wohl.

Fred Endri­kat, 1890–1942

Allen unse­ren Gäs­ten, Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern
eine geseg­ne­te und erhol­sa­me Feri­en­zeit!

 

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