Kirchenmusik

Orgel in der Universitätskirche

Soli Deo Gloria“

Gott loben, das ist unser Amt.“ – Mit die­sen Wor­ten aus dem Psalm­lied „Nun jauchzt dem Her­ren, alle Welt“ (EG 288) ist ein Auf­trag for­mu­liert: Die Chris­ten­heit hat Gott nicht zu bewei­sen, son­dern zu loben. Got­tes­lob ist ein Teil christ­li­cher Exis­tenz. Got­tes­lob stellt sich dar im Hym­nus, der sich in den Psal­men des Alten Tes­ta­ments wie auch in den Lob­ge­sän­gen des Neuen Tes­ta­ments zeigt.

Die For­men des Hym­nus sind von Anfang an über­aus viel­fäl­tig, aber alle For­men haben eines gemein­sam: sie sind gesun­gene (und gespielte) Form. Zum Wesen des Hym­nus gehört eine musi­ka­li­sche Gestalt. Der Hym­nus ist nicht nur Spra­che und nicht nur Melo­die, er ist Wort und Weise in gegen­sei­ti­ger Ergän­zung. Musik ist das­je­nige Ele­ment, wel­ches die Spra­che zum Hym­nus macht; dem nur Gespro­che­nen fehlt eine Dimen­sion. Will also eine christ­li­che Gemeinde dem Lob Got­tes Gestalt geben, so kann die Spra­che nur eine Seite des Lobes voll­zie­hen, wäh­rend die Musik die andere Seite reprä­sen­ta­tiv verwirklicht.

Diese Erkennt­nis ist nicht neu. Schon in der Hei­li­gen Schrift – vor allem im Buch der Offen­ba­rung – ist es selbst­ver­ständ­lich, dass die Anbe­tung gesun­gen wird. Fol­ge­rich­tig sagt Ambro­sius von Mai­land: „Si lau­des et non can­tas, non dicis hym­num, si can­tes et non lau­das Deum, non dicis hym­num.“ (Wenn du lobst und singst nicht, so sagst du kei­nen Hym­nus; wenn du singst und lobst nicht Gott, so sagst du kei­nen Hymnus).

Sein Schü­ler Augus­tin setzt fort: „Bis orat qui can­tat“ (Dop­pelt betet, der singt). Wenn Mar­tin Luther immer wie­der sagt: „Die Noten machen den Text leben­dig“, so liegt diese Aus­sage in der glei­chen Linie.

Gemein­schaft in Spre­chen, Sin­gen und Instru­men­tal­spiel stei­gert die Emp­fäng­lich­keit für Got­tes Wort:

Wenn du also mit dem wort umbge­hist und trach­test yhm nach, wie du kanst, so wirstu sehen, das Chris­tus bey dir ist unnd dein hertz ent­zundt. Das best aber ist, das ir zween oder drey dar­von reden mit ernst, das die leben­dige stim gehet, da gehet es auch vil stercker unnd muß der teuf­fel weichen.

Mar­tin Luther

Heils­ge­sche­hen voll­zieht sich sowohl in dem in viel­fäl­ti­ger Weise uns errei­chen­den „münd­li­chen“ Wort als auch in der Gestalt der Musik:

So oft jedoch die Lehre Got­tes von Men­schen wie­der­holt wird, sei es in Gedan­ken oder im Lesen oder im Schrei­ben oder im Pre­di­gen oder im Sin­gen oder irgend­wie anders, ist und bleibt sie auch Got­tes Wort, und Gott durch sie wirk­sam in den Geretteten.

Wigand/Judex 1550

Die Lim­bur­gi­sche Kir­chen­ord­nung von 1666 for­mu­liert beson­ders eindrucksvoll:

Der Hei­lige Geist als der Himm­li­sche Sing-Meister wirkt nicht nur durch gepre­digte oder gele­sene Worte, son­dern auch durchs Gebet und Gesang, wie der König David, der so man­chen schö­nen Psalm gema­chet, spricht: Der Geist des Herrn hat durch mich gere­det und seine Rede ist durch mei­nen Mund geschehen.

Unter sol­chen Aspek­ten hat eine „regu­lirte Kirchen-Music“ in der Uni­ver­si­täts­kir­che ihren dem gespro­che­nen Wort eben­bür­ti­gen Platz. Die zahl­rei­chen For­men evan­ge­li­scher Got­tes­dienste, wie sie hier gefei­ert wer­den (Stun­den­ge­bete, Pre­digtgot­tes­dienste, Fami­li­en­got­tes­dienste, Abend­mahls­got­tes­dienste, Evan­ge­li­sche Mes­sen, „Musi­ka­li­sche“ Mes­sen, oeku­me­ni­sche Got­tes­dienste, über­ge­meind­li­che Son­der­got­tes­dienste), ver­lan­gen von denen, die den Got­tes­dienst gestal­ten, ein hohes Maß an lit­ur­gi­schem und hym­no­lo­gi­schem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen. Ein ent­fal­te­tes lit­ur­gi­sches und kon­zer­tan­tes Orgel­spiel, reich­hal­tige Gemein­de­ge­sänge, Cho­ral– und Figu­ral­mu­sik, Schola– und Kan­to­ren­ge­sänge geben davon Zeugnis.

Jeweils don­ners­tags vor der Evan­ge­li­schen Messe fin­det von 18.45 bis 19.00 Uhr eine Orgel­ves­per statt.

Die Kan­to­rei der Uni­ver­si­täts­kir­che trifft sich don­ners­tags um 20.15 Uhr im Phil­ipp­shaus, 1. Stock, in der Uni­ver­si­täts­straße. Neue Sän­ge­rin­nen und Sän­ger sind herz­lich willkommen!

Gerold Vor­rath
(Text zuerst ver­öf­fent­licht in: Kir­che auf dem Fel­sen, 2000; ergänzt)

 

Valid XHTML 1.0 Transitional

51 Abfragen in 0,712 s
universitaetskirche.de
läuft mit WordPress