am 4. September 🌳
Mitten in der Universitätsstadt Marburg liegt einer der ältesten botanischen Gärten. 1786 wurde er gegründet und 1810 in den Garten des Deutschen Ordens verlegt. Hier wird Botanik gelehrt, Pflanzenkunde. Zugleich suchen viele Menschen hier Erholung. Pflanzen, Sträucher und Bäume aus vielen Teilen der Welt wurden hier gepflanzt. Wer mit offenen Augen herumgeht, kommt schnell ins Fragen: Was ist denn das? Wie heißt diese Blume, dieser Baum? Wie schön sie sind! Noch mehr Arten finden sich im Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen, dort hat es viel Platz. Doch auf der Erde gibt es noch viel mehr Pflanzenarten. Manche sind noch nicht entdeckt. Es entstehen auch weiter neue Arten.
Doch viele Pflanzenarten und ganze Ökosysteme sind bedroht. Wir Menschen greifen in die Natur ein, beuten Bodenschätze aus, versiegeln Boden mit Verkehrswegen und Gebäuden, verschmutzen Luft, Wasser und Erde. Mit jeder Pflanzenart, die ausstirbt, geht ein wertvoller Schatz verloren und oftmals auch die Lebensgrundlage für andere Pflanzen oder Tiere. Die Vielfalt wird geringer. Darum haben wir in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hessen-Rheinhessen e.V. (ACK) den Alten Botanischen Garten der Philipps-Universität Marburg für den diesjährigen Schöpfungstag am 4. September vorgeschlagen. Auf die Vielfalt der Pflanzen in Gottes Schöpfung wollen wir den Blick lenken und darauf, dass sie bedroht ist. Der historische Garten lässt uns erfahren, dass Pflanzen auch dann, wenn Umweltbedingungen sich ändern, über lange Zeiträume hinweg bestehen können – nicht, weil sie unbegrenzt belastbar sind, sondern weil Vielfalt Anpassung und damit Stabilität möglich macht. Bezogen auf den Klimawandel kann dieser Ort Hoffnung wecken: Die Schöpfung ist verletzlich, doch sie trägt die Kraft der Erneuerung in sich. Wo Vielfalt bewahrt wird, wächst die Chance, dass Leben auch unter veränderten Bedingungen fortbestehen kann.
„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?” Diese Frage aus dem Buch Hiob (Kapitel 38, Vers 18) ist das Motto für den Schöpfungstag 2026. Hiob war ein gerechter Mann. Er wurde auf die Probe gestellt: Wenn er arm und krank wird, wenn er alles verliert, auch seine Familie, wird er dann nicht Gott verfluchen? Freunde kamen zu Hiob und redeten auf ihn ein: Er könne kein gerechter Mensch sein, sonst würde ihn nicht so ein Unheil treffen. Doch Hiob war sich sicher, dass er immer gut gehandelt hat. Er wandte sich an Gott und klagte ihn für sein Unglück an. Hiob traute weiter auf Gott. Und Gott ließ sich rufen. In einer langen Rede, der das Motto entnommen ist, fragte er Hiob, wo er denn war, als Gott die Erde erschuf.
Angesichts unserer Situation hören wir unterschiedliche Stimmen:
- Müssten wir Menschen uns nicht selber anklagen? Unser Streben nach Reichtum ist die Ursache der ökologischen Krise.
- Andererseits: Gott hört unsere Klagen wie die des Hiob. Das macht doch Mut, über die Not der Schöpfung und ihre Ursache zu klagen.
- Zur Weite der Erde gehört auch die unvorstellbare Komplexität der Schöpfung, die das Größte und das Kleine, Weltall, Moleküle und Atome umfasst. Nur wenn uns das bewusst ist, können wir uns angemessen gegenüber unseren Mitgeschöpfen verhalten.
- Zur Weite der Erde gehören auch Chaos und Gefahren. Wir treffen Vorkehrungen, doch wir bleiben angewiesen auf Gott. Er ist Schöpfer, er will das Leben.
- Dass angesichts der ökologischen Krise viele Menschen, vor allem auch junge Menschen, den Mut verlieren, ist verständlich. Doch gerade in Krisen brauchen wir einen klaren Blick und ein Herz, frei zum Mitgefühl und bereit zum Handeln. An Gott zu glauben, der das Leben will, der sich rufen und anklagen lässt, das macht Mut, für unsere Mitgeschöpfe einzutreten.
Wir ermutigen dazu, am diesjährigen Schöpfungstag die Vielfalt der Stimmen und Pflanzen in den Blick zu nehmen – in ökumenischer Weite: Gemeinsam können Christinnen und Christen verschiedener Konfession Gott für diesen Schatz loben, zu ihm beten, dass er diesen Schatz bewahre, die Resilienz der Natur erfahren und sich davon inspirieren lassen.
Dr. Martin Streck
Vorsitzender der ACK Hessen-Rheinhessen e.V.
Geplanter Ablauf am 4. September:
- 14:00 Uhr: Markt der Möglichkeiten mit Infoständen und Aktionen im 📍Alten Botanischen Garten
- 15:00 Uhr: Geführte Rundgänge und Besichtigungen
- 17:00 Uhr: Ökumenischer Festgottesdienst in der 📍Elisabethkirche
- 19:00 Uhr: Gesprächsrunde zur Bewahrung der biologischen Vielfalt im 📍KA.RE. in der Biegenstraße
Bild: Blick im Alten Botanischen Garten (Foto: J. Rustmeier)

