Für den Eröffnungsakt der Jubiläumsfeiern am 23. Juni 2000 zusammengestellt
von Friedrich Dickmann (Aken/Elbe 2000)
In der Hessenchronik des 1522 zu Frankenberg an der Eder verstorbenen Weltpriesters Wiegand von Gerstenberg heißt es:
Gottes Geburt, da man schrieb 1291 Jahre, da brachte Landgraf Heinrich I. Von Hessen die Predigerbrüder gen Marburg und gab ihnen die Stätte, da heute das Kloster liegt. Und sie bauten da. Danach über neun Jahre begannen sie den Chor der Klosterkirche zu bauen.
Das muss im Jahre 1300 gewesen sein. Gerstenbergs Angabe ist stichhaltig, denn dendrochronologische Untersuchungen des Dachstuhls der Kirche ergeben, dass das Holz 1308 geschlagen und 1310 gesetzt worden ist. Gut 10 Jahre mag man also an dem hohen Chor auf dem Felsen über der Lahn gebaut haben. Das Vorbild: Die Minoritenkirche in Köln.
Doch die Dominikanerkirche am Lahntor gibt Rätsel auf: Denn den 5 Jochen des hochgezogenen, feingegliederten Chores folgt kein adäquates Kirchenschiff, wie an den Minoritenkirchen in Köln und Fritzlar oder an der Predigerkirche in Erfurt. Zudem vergingen zwischen der Vollendung des hohen Chores und dem Kirchenschiff mehr als 100 Jahre, denn die Dachhölzer des Kirchenschiffes sind erst 1418 und 1423 geschlagen worden.
Bis 1521 haben die Dominikaner an ihren Konventsgebäuden erweitert, verbessert, vergrößert und verschönert. Warum an ihrer Kirche nicht? Ist es die Bescheidenheit der Dominikaner? Sollte ihre Kirche bewusst ein Torso bleiben, damit ein vollkommener Kirchenbau den Orden nicht stolz und hochmütig macht? Solches ist nämlich von den Dominikanern überliefert. Schließlich war man ein demütiger Bettelorden, dem Bescheidenheit anstand. Doch Maueransätze am hohen Chor und Säulenfortsätze auf dem Dachboden zeigen, dass die Kirche anders geplant war, größer, gleichmäßiger, auf gleicher Höhe mit dem Chor eingewölbt bis zum Westabschluss, das Seitenschiff ein wenig niedriger als das Hauptschiff.
Darum kam es nicht dazu? Warum haben die Mönche nicht weiterbauen lassen? Warum haben sie die Kirchenschiffe so niedrig mit einer provisorischen Flachdecke aus Bohlen abgedeckt, dass man kaum die Gewölbe des hohen Chores wahrnehmen konnte? Wir wissen es nicht, wir können es noch nicht einmal vermuten. Es wird ein Geheimnis der Mönche bleiben.
Hof- und Ordensleute, Kaufherren, Zünfte und Bruderschaften mit ihren Trachten, Standeszeichen und Wappen bestimmten das Bild des mittelalterlichen Marburg. Jedoch die Bruderschaften von damals lassen sich nicht mit den geistlichen Gemeinschaften von heute vergleichen. Wie die Zünfte, waren auch die Bruderschaften Versorgungsgemeinschaften, lebensnotwendig für das soziale Gefüge einer mittelalterlichen Stadt.
Mit ihren Kassen und Einkünften sorgten sie für eine standesgemäße Bestattung ihrer Mitglieder, für eine Lebensrente der Hinterbliebenen und unterhielten die städtischen Armeneinrichtungen. Sie waren also eine Art Sozial- und Krankenversicherung. Auch die Geselligkeit, ähnlich den Vereinen von heute, spielte eine große Rolle. An vielen Altären Marburger Kirchen beteten sie für das Seelenheil ihrer Mitglieder, stifteten Totenmessen und begannen ihre Armenspeisungen und Feste mit feierlichen Gottesdiensten. Je größer die Zahl der Kirchen und Altäre war, an denen sie Heimat fanden und feierten, um so höher war das Ansehen der Zunft oder der Bruderschaft, lebten doch die Kleriker von den Messstipendien, die sie erhielten.
Wer viele Priester beschäftigte, tat ein gutes Werk. Die verschiedenen Kirchen der Stadt warben förmlich um Zünfte und Bruderschaften, die wiederum stolz waren, wenn sie möglichst viele Kirchen und Altäre in Anspruch nehmen konnten.
Ohne Zweifel hatten die Marburger Dominikaner ein hohes Ansehen. Die erste Stiftung, die für das Kloster nachweisbar ist, besteht aus einem wahrhaft königlichen Geschenk: Denn im Jahre des Herrn 1317 schenken Königin Imagina, Witwe König Adolfs von Nassau, und ihr Sohn Prinz Walram von Nassau den Predigerbrüdern zu Marburg ein Haus zu Weilburg an der Lahn und befreiten es für den Orden von allen Lasten und Steuern.
Im hohen Chor der Dominikanerkirche befand sich der Hochaltar unserer lieben Frauen. Hier feierten und stifteten ihre Kerzen die Rosenkranzbrüder, die Jost-und Jakobsbrüder, welche die städtischen Siechenhäuser draußen an der Zahlbach und das Gottshaus St. Jakob in der Weidenhäuser Straße unterhielten.
Der steinerne Bogen im Sakristeieingang an der Südwand des Chores war einst der Zelebrantenstuhl für den Hochaltar. Ein verblasstes Wandgemälde zeugt noch heute von der Bedeutung des Altars. Ein Dominikaner in seiner schwarz-weißen Kutte kniet vor der nur noch schemenhaft erkennbaren Madonna. Ein Spruchband verkündet das Gebet des Mönches, das Gelübde, das er vielleicht gerade spricht, oder das Wort der Andacht und Verehrung, das er für die göttliche Mutter mit dem Kinde findet. Doch die Inschrift ist zur Unleserlichkeit verblasst. Wir werden nie erfahren, was der knieende Pater sagen will. Aber das immer noch deutlich erkennbare Wappenbild mit dem Schwan verrät, wer sich für den Marienaltar der Dominikaner verantwortlich weiß: Die angesehene Kaufmannsfamilie Schwan, die mit dem Hochzeitshaus in der Nikolaistraße eine prachtvolle Stadtwohnung unterhielt und den gewaltigen Schwanhof an der Schwanallee bewirtschaftete.
Ein Severinsaltar befand sich in der Kirche. An der östlichen Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes, wo in der Advents- und Weihnachtszeit die Krippe steht, ist die zu Heizungszwecken vergitterte Altarnische noch zu erkennen.
St. Severin aus dem vierten nachchristlichen Jahrhundert, ein frommer Bischof von Köln, legt noch heute, wie die Architektur des Chores, Zeugnis ab von der engen Verbindung der Marburger Dominikaner zur Rheinmetropole St. Severin ist auch der Schutzpatron der Weber, die zu Füßen der Dominikanerkirche, drüben am Weidenhäuser Ufer an der Brücke ihr repräsentatives Zunfthaus unterhielten. Das große Gebäude Weidenhäuser Straße 1, in seinen Ausmaßen dem Hospital St. Jakob gleichend, musste 1891 dem Neubau der heutigen Weidenhäuser Brücke weichen.
Der Stolz der Dominikanerkirche aber war die große Schnitzfigur des heiligen Crispin, jenes treuen Schusters aus Lyon, der unter Kaiser Diokletian 287 nach Christus den Märtyrertod erlitt. Ihn verehrten in besonderer Weise die Schuster. Die Marburger Schusterinnung stiftet für sein Bild ein ewiges Licht und feierte unter seiner Figur ihre Gottesdienste.
Immerhin: Zwei Innungen und drei Bruderschaften waren in der Dominikanerkirche beheimatet und zeugen von der Achtung, die das Kloster bei der Marburger Bevölkerung des Mittelalters genoss.
In einer Schenkungsurkunde des Jahres 1459 an das Kloster heißt es:
Johann Quinkus gibt dem Bruder Henricus Mengelonis, Prior, Ludwig Bordiklois und den übrigen Herren und Brüdern des Predigerordens 100 Gulden zu einem Testament. Da für sollen sie jeden Donnerstag auf dem hohen Altar ihrer Kirche eine Singmesse halten „de corpore Christi“ mit Orgelspiel und der Sequenz „Lauda Sion“ oder einigen Versen aus „Ecce panis Angelorum“ nach Gelegenheit der Zeit. 1459 in assumptionis virginis gloriose.
So soll also jeden Donnerstag am Hochaltar eine Messe nach der Fronleichnamsliturgie gelesen werden, wobei die Gesänge „Preise Zion den Erlöser“ oder „Siehe das Engelsbrot“ anzustimmen sind. Die Urkunde wurde am Tag Mariae Himmelfahrt, den 15. August 1459, ausgestellt und beweist, dass die Kirche damals schon eine Orgel besaß.
Einblick in die Art mittelalterlicher Gottesdienste bei den Marburger Dominikanern gibt eine andere Stiftungsurkunde, in der es heißt:
Pfarrer Hermann Contzen aus Schweinsberg hat dem Predigerkloster 100 Gulden gegeben. Dafür sollen die Herren des Predigerordens jeden Sonnabend nach dem ersten Geläut am Altar unserer lieben Frau eine Singmesse halten und die Sequenz anstimmen „Ave Preclara – Sei gegrüßt, du Holdselige“. Zwei Knaben sollen mit brennenden Kerzen in ihren Händen vor den Altar treten, wenn man unseren Herrgott in der Messe hebt, also die geweihte Hostie nach der Wandlung hebt, und sie sollen dazu singen: „Miserere, miserere populi tui, quod redimisti cum sanguine tuo – Erbarme dich, erbarme dich deines Volkes, Herr, das du durch dein Blut erkauft hast.“
Es sind die Gesänge, die angestimmt werden, wenn man das Kreuz trägt. Diese Urkunde wurde aufgesetzt am Dienstag vor dem Bartholomäustag 1452. Der Tag des Apostels Bartholomäus ist der 24. August.
Beliebt bei dem Volk, so wird berichtet, waren die Predigten der Dominikaner, die jeden Sonntagmittag um 1 Uhr stattfanden. Donnerstags und Samstags feierte man Bet-Singmessen zur Pflege der Volksfrömmigkeit. Zahlreich waren die Seelen- und Votivmessen, die an den Altären der Dominikaner gelesen wurden.
Die große Zahl von Messen und Andachten waren im späten Mittelalter wichtig für den Unterhalt einer Kirche, denn jede religiöse Handlung, jeder Gottesdienst, jeder Hausbesuch und jede Segenshandlung musste wie Ware als religiöse Dienstleistung gekauft und bezahlt werden nach feststehenden Preisen. Dabei entstand in der mittelaterlichen Stadt natürlischerweise auch ein harter Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Kirchen und Klöstern.
Die Aktivitäten der Dominikaner blieben auch nicht ohne Widerspruch. Der vom Deutschen Orden eingesetzte Stadtpfarrer an St. Marien Johann Leybenit sah sich 1453 durch die Dominikaner in seinen Pflichten, Rechten und vor allem Einkünften eingeschränkt. Immerhin residierte er mit 13 Kaplänen an der Pfarrkirche und musste für deren Unterhalt sorgen. Vor Notaren und geladenen Zeugen gab er zu Protokoll, dass der Lesemeister des Predigerordens Bodenbender in seine Seelsorge eingegriffen habe. Die Sache wurde offenbar nicht beigelegt, denn ein Jahr später versuchte ein Scholastikus Rosenberg aus Mainz im Hause des Marburger Bürgermeisters den Streit zu schlichten. Zwei Schöffen, ein Notar, der Stadtpfarrer und zwei Vertreter des Klosters waren zugegen. Das Ergebnis des Gespräches kennen wir nicht, wohl aber, was man während der Schlichtungsverhandlung auf Kosten der Stadt verzehrt hat, die Stadtrechnungen weisen es aus: Nämlich 4 Maß Elsässer Wein und 5 Maß Bier.
Im Jahre 1504 musste noch einmal ein ähnlicher Streit geschlichtet werden. Doch über den Ausgang der Schlichtung erfahren wir genauso wenig, wie über das, was verzehrt wurde.
Im Jahre 1525 überreichte die Marburger Bürgerschaft dem Landgrafen 35 Beschwerdeartikel über unhaltbare Zustände in der Stadt, die abgestellt werden müssen. Die beiden ersten Artikel fordern die Beseitigung aller steuerlichen und wirtschaftlichen Vorteile der geistlichen Stände und kirchlichen Einrichtungen, so wie die Einstellung „eines Perners oder Capellanus“ zur Predigt des reinen Evangeliums, „damit es keinen Uffruhr im Volk gibt.“ Landgraf Philipp von Hessen vermerkt am Rande dieser beiden Sätze: „Das wird geschehen.“
Schon ein Jahr später war es so weit. In heftiger Fehde mit dem Papst und hart bedrängt von inneren und äußeren Feinden, hatte Kaiser Karl V. dem Speyrer Reichstagsbeschluss zugestimmt, dass bis zur Einberufung eines allgemeinen Kirchenkonzils es jeder Reichsstand in Sachen Religion so halten dürfe, wie er es vor Gott und des Kaisers Majestät verantworten kann.
Landgraf Philipp handelte sofort. Schon im Herbst 1526 entbot er die weltlichen und geistlichen Stände Hessens zu einem Landtag nach Homberg an der Efze, wo unter anderem auch eine kirchliche Erneuerung im Sinne der Reformation beraten wurde.
Der wichtigste Beschluss des Homberger Landtages war, dass Marburg mit der Gründung einer hohen Schule zu einer Art Musterstadt der hessischen Reformation gemacht werden solle.
Die säkulare Neuzeit kündigt sich an: Die Philipps-Universität ist die erste Universitätsgründung des Abendlandes allein aus landesherrlicher Vollmacht, ohne kirchliche Erlaubnis, ohne päpstliches Privileg und kaiserliche Gestattung. Das kaiserliche Privileg wurde 1540 nachgeholt, um das päpstliche nie ersucht.
Die Stadt Marburg bot sich als Ort einer hessischen Landesuniversität aus vielen Gründen an: Die Stadt liegt zentral. Sie ist Sitz des hessischen Hofgerichtes, der obersten Instanz in Hessen, eine Erinnerung daran, dass in dieser Stadt die Wiege des Hessenlandes stand. Die für eine Universität wichtigen Juristen sind schon am Ort. Zudem boten die vielen Klöster der Stadt mit ihren Räumlichkeiten und reichen Einkünften die nötigen Grundlagen für eine Universität.
Als im Jahre 1552 ein Hochwasser der Lahn die beiden Mittelbögen der Weidenhäuser Brücke zum Einsturz brachte, wobei 25 Menschen den Tod fanden, stellte die Stadt bei der landgräflichen Regierung den Antrag, den Chor der nutzlosen Dominikanerkirche als Steinbruch für die Brückenreparatur benutzen zu dürfen. Gott sei Dank erfolgte nie eine Antwort, es wäre eine Katastrophe für das Stadtbild geworden. Statt dessen schlug man die Giebel und Gewölbe der Stadtpfarrkirche St. Kilian ein und benutzte die Steine als Füllmaterial für die Brücke. Seitdem besitzt der Kilian seinen typischen Fachwerkaufsatz im Oberstock.
Landgraf Ludwig IV. von Oberhessen ließ 1579 die Dominikanerkirche in einen Kornspeicher umbauen. Dazu wurden vier große Holzböden eingezogen. Zur Belüftung und Beleuchtung der Böden ließ er in die Nord-, Süd- und Westwand der Kirche kleine vergitterte Fenster brechen, deren Laibungen heute noch sichtbar sind. Aus dem Begräbnisplatz der Dominikaner am hohen Chor wurde „der Kornmarkt“.
Schneller und ganz anders als gedacht, war der Landgraf den Forderungen der Marburger Bürgerschaft nach Entsendung evangelischer Prediger und Entmachtung der geistlichen Institutionen nachgekommen. Vielleicht haben die Dominikanermönche mit jenen verdrossenen und erbosten Mienen ihr Kloster tatsächlich verlassen, wie es Peter Janssen auf seiner großen wilhelminischen Historienmalerei in der Universitätsaula dargestellt hat. Dass der Dominikanerkonvent von der Aufhebung des Klosters überrascht wurde, zeigt sich schon darin, dass man 1521 den Bau eines großen, vom Kloster abgesonderten Hauses für den Prior in Angriff nahm. Das Haus lag parallel zum Lahntor, mit der Stirnseite zum Hirschberg. Über dem Hauseingang befand sich das Wappen des Priors Johannes Ysemroth neben dem des Dominikanerordens. Das Prioratsgebäude war so groß, dass das Pädagogium, das heutige Gymnasium Philippinum dort untergebracht werden konnte und der erste Medizinprofessor der Universität Euricius Cordus hier seine Dienstwohnung fand. Das Philippinum zog 1868 in ein neues Gebäude an der Untergasse um, aber das besteht auch schon nicht mehr. Das Priorat musste 1874 dem Neubau der Universität am Lahntor weichen.
Am 30. Mai, dem Himmelfahrtstage des Jahres 1527, wurde die Universität mit der Verpflichtung von 10 Professoren und der feierlichen Immatrikulation von 104 Studenten in der Pfarrkirche festlich eröffnet. Einen Tag später unterzeichneten die 13 Mönche des Marburger Predigerkonvents eine Verzichtsurkunde auf ihr Kloster, ließen sich abfinden und verließen Marburg. Keiner der Mönche hat von dem Angebot das Landgrafen Gebrauch gemacht, in den weltlichen Stand zurückzukehren und sich von der landgräflichen Kasse versorgen zu lassen. Die Verzichtsurkunde – sie ruht im Marburger Staatsarchiv – wurde von folgenden Fratres unterzeichnet:
Johann Ysemroth, Prior
Heinrich Calipsikus
Johann Danielis
Johannes Pistoris
Philipp Heckemann
Eckardt Giess
Jakob Sohimacher
Ludwig Satoris
Conrad Pistoris
Ruel Heckmann
Wolfgang Biedencap
Johannes Frankenberg
und Peter Nicatoris.
Die an den Altären der Dominikanerkirche beheimateten Bruderschaften wurden aufgelöst und ihr Vermögen der städtischen Armenkasse zugeführt. In das leerstehende Konventsgebäude der Dominikaner am Lahntor, von nun an „Collegium Lani“ genannt, zog nun die Universität ein. Das große Gebäude bot Platz für die Universitätsaula, die juristische Fakultät, den Senat, die Universitätsverwaltung, so wie für Dienstwohnungen von Universitätsangehörigen.
Für die Dominikanerkirche hatte man keine Verwendung mehr. Der Erlös für das Inventar wanderte in die Kasse der neuen Universität und in den landgräflichen Abfindungsfond für säkularisierte Klöster. Die Altäre wurden zum Teil zerschlagen oder verfeuert. Die Schnitzfigur des Heiligen Crispin nahm die Schuhmacherinnung mit auf ihre Zunftstube im Kilian. Dort ist sie bei Auflösung der Schusterzunft im Jahre 1809 zum letzten Male gesehen worden.
In der Säkularisierung der Dominikanerkirche zeigt sich die Doppelgesichtigkeit geschichtlicher Neuaufbrüche. Die Universtätsgründung ist bis heute ein Segen für die Stadt. Diesem Segen aber fielen die mittelalterlichen Kunstschätze der Kirche unwiederbringlich zum Opfer.
Bild: Universitätskirche von Südwest mit Resten des Klostergebäudes während des Neubaus der „Alten Universität“ 1873-1879 (Foto: Ludwig Bickell / LAGIS Hessen)

