Kurt Reuber (1906–1944) — Pfarrer, Arzt und Künstler

Selbst­bild­nis (Foto: Ute Tolkmitt)

Kurt Reuber (1906–1944) — Pfarrer, Arzt und Künstler


Kurt Reu­ber zeich­nend (Foto: Kru­se 2012, S. 83)

Wie sein Vor­bild Albert Schwei­zer stu­dier­te Kurt Reu­ber als Theo­lo­ge auch noch Medi­zin, um den Men­schen als Seel­sor­ger und Arzt bei­ste­hen zu kön­nen. Den Natio­nal­so­zia­lis­mus lehn­te er ent­schie­den ab. Als der Zwei­te Welt­krieg mit dem deut­schen Angriff gegen Polen begann und zwei Jah­re spä­ter der Über­fall auf die Sowjet­uni­on folg­te, muss­te Pfar­rer Kurt Reu­ber als Trup­pen­arzt von Anfang an dabei sein. Reu­ber hat­te von 1931 bis 1933 an der Uni­ver­si­täts­kir­che sein Vika­ri­at absol­viert — bei Pfar­rer Karl Bern­hard Rit­ter, über den er auch zur Evan­ge­li­schen Micha­els­bru­der­schaft gelang­te. Zuvor war Reu­ber Vikar in der Schwalm gewe­sen, wo er bei der Maler­ko­lo­nie Wil­lings­hau­sen sei­ne eige­ne Bega­bung als Maler und Zeich­ner entdeckte.

Bil­der aus: Kurt Reu­ber, Ant­litz und Gestalt, Kas­sel 1951

In den Kriegs­jah­ren konn­te Reu­ber sei­ne drei Pro­fes­sio­nen in den Dienst der Mit­mensch­lich­keit stel­len: als Seu­chen­arzt hat er auch Ange­hö­ri­gen der von Not und Tod betrof­fe­nen rus­si­schen und ukrai­ni­schen Zivil­be­völ­ke­rung gehol­fen. Er hat sich ihnen als Seel­sor­ger zuge­wandt, vie­le von ihnen gezeich­net und ihnen damit ent­ge­gen der poli­ti­schen Dok­trin ihre Wür­de und Indi­vi­dua­li­tät bewahrt. Die­se Por­träts rus­si­scher und ukrai­ni­scher Men­schen, Sol­da­ten und Zivi­lis­ten, Grei­se und Kin­der, aus den Kriegs­jah­ren 1941 und 1942 sind eben­so bedeut­sam wie Reu­bers ‚Sta­lin­grad-Madon­na’, die spä­ter berühmt wur­de. Anders als vie­le der Por­trä­tier­ten selbst haben die­se Koh­le­zeich­nun­gen die Kriegs­zeit über­lebt. Von sei­nen in der Ukrai­ne und in Russ­land gemal­ten Bil­dern sind rund 150 erhal­ten. Sei­ne Kame­ra­den, die das Weih­nachts­fest 1942 ein­ge­schlos­sen im „Kes­sel von Sta­lin­grad” in Todes­angst ver­brin­gen muss­ten, trös­te­te Reu­ber mit sei­nem Bild der Madon­na, — eine Zeich­nung, die spä­ter als „Iko­ne der Mensch­lich­keit” welt­be­rühmt wur­de und zum Frie­den, zu Ver­söh­nung und Mit­mensch­lich­keit mahnt.

Sta­lin­grad-Madon­na im Bun­ker (Foto: Kru­se 2012, S. 88)

Kaum einer weiß, dass Kurt Reu­ber wesent­lich geprägt war durch sei­ne Zeit in Mar­burg als Vikar von Karl Bern­hard Rit­ter. Mit Rit­ter und der Evan­ge­li­schen Micha­els­bru­der­schaft war Reu­ber bis zum Ende sei­nes Lebens eng ver­bun­den — er starb Janu­ar 1944 in sowje­ti­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft in Jel­a­bu­ga (Tatar­stan). In einer Welt der Gewalt und des Unrechts ver­such­te er Mit­mensch­lich­keit zu leben.

Literatur

  • Mar­tin Kru­se (Hg.), Die Sta­lin­grad-Madon­na. Das Werk Kurt Reu­bers als Doku­ment der Mensch­lich­keit, 2012

 

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