- Dominikanerkirche — Reformierte Stadt- und Universitätskirche — Kirche der Evangelischen Messe. Ein historischer Überblick
- 350 Jahre evangelischer Gottesdienst in der Universitaetskirche (1658–2008)
- Karl Bernhard Ritter, 1925 bis 1960 Pfarrer der Universitätskirche
- Kurt Reuber (1906–1944) — Pfarrer, Arzt und Künstler
- Claudia Bader (1900–1974) — eine der ersten Pfarrerinnen
- Interessante Theologen in der Universitätskirche
- „Schweigender Dienst“ vor dem „Heiligen“ in St. Jost — Rudolf Otto
Selbstbildnis (Foto: Ute Tolkmitt)
Kurt Reuber (1906–1944) — Pfarrer, Arzt und Künstler

Kurt Reuber zeichnend (Foto: Kruse 2012, S. 83)
Wie sein Vorbild Albert Schweizer studierte Kurt Reuber als Theologe auch noch Medizin, um den Menschen als Seelsorger und Arzt beistehen zu können. Den Nationalsozialismus lehnte er entschieden ab. Als der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Angriff gegen Polen begann und zwei Jahre später der Überfall auf die Sowjetunion folgte, musste Pfarrer Kurt Reuber als Truppenarzt von Anfang an dabei sein. Reuber hatte von 1931 bis 1933 an der Universitätskirche sein Vikariat absolviert — bei Pfarrer Karl Bernhard Ritter, über den er auch zur Evangelischen Michaelsbruderschaft gelangte. Zuvor war Reuber Vikar in der Schwalm gewesen, wo er bei der Malerkolonie Willingshausen seine eigene Begabung als Maler und Zeichner entdeckte.
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In den Kriegsjahren konnte Reuber seine drei Professionen in den Dienst der Mitmenschlichkeit stellen: als Seuchenarzt hat er auch Angehörigen der von Not und Tod betroffenen russischen und ukrainischen Zivilbevölkerung geholfen. Er hat sich ihnen als Seelsorger zugewandt, viele von ihnen gezeichnet und ihnen damit entgegen der politischen Doktrin ihre Würde und Individualität bewahrt. Diese Porträts russischer und ukrainischer Menschen, Soldaten und Zivilisten, Greise und Kinder, aus den Kriegsjahren 1941 und 1942 sind ebenso bedeutsam wie Reubers ‚Stalingrad-Madonna’, die später berühmt wurde. Anders als viele der Porträtierten selbst haben diese Kohlezeichnungen die Kriegszeit überlebt. Von seinen in der Ukraine und in Russland gemalten Bildern sind rund 150 erhalten. Seine Kameraden, die das Weihnachtsfest 1942 eingeschlossen im „Kessel von Stalingrad” in Todesangst verbringen mussten, tröstete Reuber mit seinem Bild der Madonna, — eine Zeichnung, die später als „Ikone der Menschlichkeit” weltberühmt wurde und zum Frieden, zu Versöhnung und Mitmenschlichkeit mahnt.

Stalingrad-Madonna im Bunker (Foto: Kruse 2012, S. 88)
Kaum einer weiß, dass Kurt Reuber wesentlich geprägt war durch seine Zeit in Marburg als Vikar von Karl Bernhard Ritter. Mit Ritter und der Evangelischen Michaelsbruderschaft war Reuber bis zum Ende seines Lebens eng verbunden — er starb Januar 1944 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft in Jelabuga (Tatarstan). In einer Welt der Gewalt und des Unrechts versuchte er Mitmenschlichkeit zu leben.
Literatur
- Martin Kruse (Hg.), Die Stalingrad-Madonna. Das Werk Kurt Reubers als Dokument der Menschlichkeit, 2012




