Historischer Streifzug

Dominikanerkirche — Reformierte Stadt- und Universitätskirche — Kirche der Evangelischen Messe. Ein historischer Überblick

Mit ihrem hoch über der Lahn auf­ra­gen­den Chor prägt sie — zusam­men mit dem auf der Berg­spit­ze thro­nen­den Land­gra­fen­schloss, der dar­un­ter­lie­gen­den Kanz­lei, der Pfarr­kir­che und dem Rat­haus — seit Jahr­hun­der­ten das Mar­bur­ger Stadt­bild: die Uni­ver­si­täts­kir­che, die bis zur Refor­ma­ti­on die Ordens­kir­che der Domi­ni­ka­ner war.

Bau der Dominikanerkirche


Sta­tue der Sophie von Bra­bant mit ihrem
Sohn Hein­rich auf dem Mar­bur­ger Marktplatz –
Skulp­tur von Ivan Thei­mer 1989
(Foto: J. Rustmeier)

Als um 1300 die Mön­che des Pre­di­ger­or­dens ihre Kir­che auf dem Fel­sen über der Lahn bau­ten, befand sich die Stadt gera­de in einer Zeit des Auf­schwungs. Das Mar­bur­ger Schloss bil­de­te eine Haupt­re­si­denz der im Jahr 1292 durch den deut­schen König aner­kann­ten Land­graf­schaft Hes­sen. Es war Hein­rich I. (1256–1308), dem Sohn Sophies von Bra­bant und Enkel der Hei­li­gen Eli­sa­beth (1207–1231), gelun­gen, den hes­si­schen Teil von der Land­graf­schaft Thü­rin­gen zu lösen. Zugleich hat­te zu Füßen der Stadt, gegen Nor­den an der Lahn der Deut­sche Orden über dem Grab der 1235 hei­lig gespro­che­nen Eli­sa­beth eine ein­drucks­vol­le Wall­fahrts­kir­che errich­ten las­sen. Die­ser ers­te rein goti­sche Kir­chen­bau auf deut­schem Boden, geweiht im Jahr 1283, zog Pil­ger­strö­me aus allen Him­mels­rich­tun­gen an.

Vor den Domi­ni­ka­nern hat­ten sich frei­lich bereits fran­zis­ka­ni­sche Bet­tel­mön­che in Mar­burg ange­sie­delt. Seit 1234/35 ent­stand — wohl auf­grund ihrer engen Bezie­hun­gen zu Eli­sa­beth von Thü­rin­gen — am süd­west­li­chen Stadt­rand („Am Plan”) bereits das „Bar­fü­ßer-Klos­ter”. Dage­gen geschah es — nach einer Mit­tei­lung des Chro­nis­ten Wigand Gers­ten­bergs um 1500 — im Jahr 1291, da Land­graf Hein­rich I. „die Pre­di­ger­brü­der gen Mar­burg brach­te und gab ihnen die Stät­te”, wo sie ihr Klos­ter­ge­bäu­de bau­en konn­ten. Die Domi­ni­ka­ner leg­ten ihre Kon­vents­ge­bäu­de im Süd­os­ten hoch über der Lahn an. Die Mar­bur­ger Bet­tel­or­dens­nie­der­las­sun­gen — das Bar­fü­ßer­klos­ter wur­de nach der Refor­ma­ti­on bis zur Unkennt­lich­keit umge­baut, die Kir­che 1730/31 abge­ris­sen — tru­gen also nicht nur zu Seel­sor­ge und Ver­kün­di­gung bei. Ihre Klos­ter­ge­bäu­de bil­de­ten auch wich­ti­ge Eck­punk­te der Stadt­be­fes­ti­gung: sie durf­ten nicht ange­grif­fen wer­den, sonst droh­ten Kirchenstrafen.

„Über 9 Jah­re”, so der Chro­nist Gers­ten­berg, nach ihrer Ansied­lung durch den Land­gra­fen, also um 1300, began­nen die Domi­ni­ka­ner mit dem Bau des Chors ihrer Klos­ter­kir­che. Ihr Holz­werk stammt, so der den­dro­chro­no­lo­gi­sche Nach­weis, aus dem Jahr 1308. Die Kir­che wur­de Johan­nes dem Täu­fer, dem Pre­di­ger in der Wüs­te und Vor­läu­fer Jesu, geweiht. Das Lang­haus der Kir­che wur­de — dies lässt sich anhand des Hol­zes des Dach­werks datie­ren — erst nach 1420 fertiggestellt.

Längs­schnitt (oben) und Quer­schnitt (unten links) durch das Dach­werk des Cho­res von 1308, Quer­schnitt durch das Dach­werk des Mit­tel­schiffs (unten rechts) nach 1420; nach Auf­maß des Staats­bau­am­tes Marburg

Geistliches Leben in der Dominikanerkirche

In den gut zwei Jahr­hun­der­ten sei­nes Bestehens zähl­te der Mar­bur­ger Domi­ni­ka­ner­kon­vent meist um zehn Mit­glie­der, die das regel­mä­ßi­ge Chor­ge­bet ver­rich­te­ten. Bei sei­ner Auf­lö­sung im Jahr 1527 wur­den 13 Pre­di­ger­brü­der abge­fun­den. Die Lei­tung des Kon­vents geschah durch einen Pri­or und einen Sub­pri­or; für die Bil­dung vor allem der Novi­zen war der „Lese­meis­ter” zustän­dig. Gegen Ende des 15. Jahr­hun­derts las­sen sich ein­zel­ne Mar­bur­ger Domi­ni­ka­ner als Stu­den­ten sogar an ita­lie­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten nach­wei­sen. Wich­tig für die spät­mit­tel­al­ter­li­che Stadt­be­völ­ke­rung war der Dienst des „Seel­ge­dächt­nis­ses”. An den Mess­al­tä­ren der Domi­ni­ka­ner­kir­che voll­zo­gen Ordens­pries­ter den from­men und als Gott wohl­ge­fäl­lig ein­ge­schätz­ten Dienst des für­bit­ten­den Geden­kens für Ver­stor­be­ne. Die­se sah man vor dem Gericht Got­tes ste­hen und müh­te sich nach Kräf­ten um eine Min­de­rung ihrer zu erwar­ten­den Sün­den­stra­fen. Sol­che Mess-Stif­tun­gen und Schen­kun­gen um des See­len­heils wil­len bedeu­te­ten für die Ordens­kon­ven­te eine wesent­li­che Ein­nah­me­quel­le, mach­te sie aber auch zu einer Kon­kur­renz für den Inha­ber der Mar­bur­ger Stadt­pfar­rei an der „Unse­rer lie­ben Frau” geweih­ten Pfarr­kir­che. Die­ser, vom Deut­schen Orden gestellt, und sei­ne Kaplä­ne emp­fan­den durch die Akti­vi­tä­ten der Bet­tel­mön­che ihre Ein­nah­men geschmä­lert. Gespannt war auch das Ver­hält­nis der Orden zum Main­zer Bischof, der die Seel­sor­ge und beson­ders die Ver­wal­tung des Beicht­sa­kra­ments geneh­mi­gen muss­te. Und die Stadt Mar­burg blick­te mit Arg­wohn auf die Orden, deren Ange­hö­ri­gen eine weit­ge­hen­de Befrei­ung von den bür­ger­li­chen Las­ten genos­sen. Ande­rer­seits bot das Domi­ni­ka­ner­klos­ter immer wie­der Raum für die nota­ri­el­le Bestä­ti­gung kom­mu­na­ler und pri­va­ter Geschäf­te — das Kon­vents­sie­gel, das galt als authentisch.

Wie das Inne­re der Domi­ni­ka­ner­kir­che aus­ge­stat­tet war, lässt sich nur bruch­stück­haft rekon­stru­ie­ren. Wahr­schein­lich trenn­te ein Lett­ner den Chor­raum mit dem Hoch­al­tar, des­sen Stand­ort man sich unge­fähr unter dem Gewöl­be­schluss­stein vor­zu­stel­len hat, vom Kir­chen­schiff. Hier befan­den sich wohl wei­te­re Altä­re. Im Chor, mög­li­cher­wei­se im Hoch­al­tar, befand sich ein Mari­en­bild, zusam­men mit einem geschnitz­ten Bild Johan­nes des Täu­fers. Vor dem Mari­en­bild brann­te das ewi­ge Licht. Anschei­nend spiel­te die Mari­en­fröm­mig­keit bei den Mar­bur­ger Domi­ni­ka­nern eine wich­ti­ge Rolle.

Die Bru­der­schaf­ten von St. Jakob und St. Seve­rin hat­ten in der Domi­ni­ka­ner­kir­che ihre geist­li­che Heim­statt. Die Schus­ter­zunft ver­ehr­te hier ihren Patron St. Crispin, des­sen Figur nach der Refor­ma­ti­on in deren Zunft­stu­be in die vor­ma­li­ge Kili­ans­ka­pel­le ver­bracht wor­den sein soll. Die Domi­ni­ka­ner­kir­che ver­füg­te um die Mit­te des 15. Jahr­hun­derts auch über eine Orgel. Quel­len deu­ten an, dass in ihr bereits vor der Refor­ma­ti­on Lie­der in der Volks­spra­che gesun­gen wur­den, was den Men­schen eine akti­ve­re Teil­nah­me an der Mess­fei­er ermöglichte.

Reformation und Übergabe an die Universität 1527


Neu­bau der „Alten Uni­ver­si­tät“ 1873–1879
(Foto: Lud­wig Bickell)

Mit der Auf­lö­sung der Klös­ter im Zuge der Refor­ma­ti­on — die Domi­ni­ka­ner erhiel­ten vom Land­gra­fen eine Abfin­dung — stan­den die ver­schie­de­nen Kon­vents­ge­bäu­de in der Stadt der 1527 gegrün­de­ten Lan­des­uni­ver­si­tät zur Ver­fü­gung: das Domi­ni­ka­ner­klos­ter den Juris­ten und dem Gym­na­si­um Phil­ip­pi­num, das Anwe­sen der Brü­der vom gemein­sa­men Leben (den Kugel­herrn) den (evan­ge­li­schen) Uni­ver­si­täts­theo­lo­gen und das Bar­fü­ßer­klos­ter den Medi­zi­nern und Phi­lo­so­phen. Als ers­te Uni­ver­si­täts­kir­che fun­gier­te bis 1653 die spä­ter als „Luthe­ri­sche” bezeich­ne­te Pfarr­kir­che Unse­rer Lie­ben Frau (St. Mari­en). Die vor­ma­li­ge Domi­ni­ka­ner­kir­che wur­de dage­gen pro­fa­niert und zunächst für stu­den­ti­sche Übun­gen sowie als Labo­ra­to­ri­um und Lager­raum benutzt.

Auch ihre Ver­wen­dung als Begräb­nis­stät­te für Pro­fes­so­ren zog man in Betracht. 1578/79 wur­den Zwi­schen­de­cken und Lüf­tungs­fens­ter in das vor­ma­li­ge Kir­chen­schiff ein­ge­baut: es dien­te in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten als land­gräf­li­cher Korn­spei­cher. Die ande­ren Klos­ter­ge­bäu­de blie­ben bis zum Neu­bau der „Alten Uni­ver­si­tät” in den letz­ten bei­den Jahr­zehn­ten des 19. Jahr­hun­derts als Uni­ver­si­täts­ge­bäu­de fast unver­än­dert erhalten.

Reformierte Stadt- und Universitätskirche seit 1658

Nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg muss­te der cal­vi­nis­ti­sche (refor­mier­te) Lan­des­herr von Kas­sel den Bestand der luthe­ri­schen Kon­fes­si­on in Ober­hes­sen aner­ken­nen. Die Uni­ver­si­tät Mar­burg frei­lich blieb bis ins 19. Jahr­hun­dert hin­ein nomi­nell refor­miert — im Unter­schied zur luthe­ri­schen Uni­ver­si­tät Gie­ßen, die zu dem von Darm­stadt aus regier­ten hes­si­schen Lan­des­teil gehör­te. Land­graf Wil­helm VI. von Hes­sen-Kas­sel war es ein Her­zens­an­lie­gen, sei­ner eige­nen Glau­bens­rich­tung in der nun wie­der luthe­ri­schen Stadt Mar­burg eine Heim­statt zu ver­schaf­fen. Dazu ließ er 1658 die vor­ma­li­ge Domi­ni­ka­ner­kir­che wie­der­her­stel­len: nun­mehr zur Pfarr­kir­che für die refor­mier­ten Beam­ten, Offi­zie­re, Pro­fes­so­ren und Stu­den­ten. Dass ein auf­ge­ge­be­nes Kir­chen­ge­bäu­de für sei­nen ursprüng­li­chen Zweck restau­riert wur­de, kam äußerst sel­ten vor. Bis ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein stell­te die refor­mier­te Stadt- und Uni­ver­si­täts­kir­che das kon­fes­sio­nel­le Gegen­stück zur nun „Luthe­ri­sche Pfarr­kir­che” genann­ten Lieb­frau­en­kir­che dar, der die gro­ße Mehr­heit der ange­stamm­ten Mar­bur­ger Bevöl­ke­rung ange­hör­te. Bei­de Pfarr­kir­chen kon­kur­rier­ten eifer­süch­tig mit­ein­an­der, was sich an vie­len Strei­tig­kei­ten, etwa bei der Rege­lung „gemisch­ter” Ehen zeig­te. Die als Besitz des Deut­schen Ordens abwech­selnd von römisch-katho­li­schen, luthe­ri­schen und refor­mier­ten Land­kom­thu­ren tri­kon­fes­sio­nell ver­wal­te­te Eli­sa­beth­kir­che (seit 1809 eben­falls nomi­nell luthe­risch) war damals sozu­sa­gen Aus­land; und ein römisch-katho­li­sches Kir­chen­we­sen gab es im Land­gra­fen­tum Hes­sen-Kas­sel bis ins 18. Jahr­hun­dert hin­ein nicht.

Wäh­rend die Luthe­ri­sche Pfarr­kir­che von ihrer Gemein­de sel­ber unter­hal­ten wur­de, erfreu­te sich die Refor­mier­te Stadt- und Uni­ver­si­täts­kir­che der Gunst des Lan­des­herrn: Er selbst ließ sie aus­stat­ten, besol­de­te ihre Pfar­rer und trug die lau­fen­den Kos­ten. Bis zur Mit­te des 18. Jahr­hun­derts erleb­te die refor­mier­te Gemein­de so einen Auf­schwung, auch durch die Zuwen­dun­gen ihrer ver­gleichs­wei­se wohl­ha­ben­den Mit­glie­der, die über­wie­gend den „höhe­ren Stän­den” ange­hör­ten, Das Auf­kom­men der Reli­gi­ons­kri­tik und der Ratio­na­lis­mus des 19. Jahr­hun­derts führ­ten vor allem bei den Gebil­de­ten zu einer Schwä­chung der tra­di­tio­nel­len Fröm­mig­keit und des Got­tes­dienst­be­suchs. Dies traf die Uni­ver­si­täts­kir­che beson­ders. Als Ort von Säku­lar­fei­ern und Uni­ver­si­täts­ju­bi­lä­en behielt sie den­noch ihre lan­des­wei­te Bedeutung.

Neugestaltung der Universitätskirche 1927


Blick in den Hohen Chor vor 1927

Nach ver­schie­de­nen mehr oder weni­ger gelun­ge­nen Reno­vie­rungs­maß­nah­men im 19. Jahr­hun­dert wur­de nach dem Ers­ten Welt­krieg ein gera­de­zu atem­be­rau­ben­des Kapi­tel der Geschich­te der Uni­ver­si­täts­kir­che auf­ge­schla­gen, als Pfar­rer Karl Bern­hard Rit­ter (1890–1968) vom Deut­schen Dom in Ber­lin nach Mar­burg kam. Der vor­ma­li­ge Land­tags­ab­ge­ord­ne­te konn­te sei­ne direk­ten Bezie­hun­gen zum preu­ßi­schen Kul­tus­mi­nis­te­ri­um nut­zen, um die Reno­vie­rung der Kir­che zum Uni­ver­si­täts­ju­bi­lä­um 1927 nach sei­nen ganz eigen­tüm­li­chen Vor­stel­lun­gen durch­zu­füh­ren. Rit­ter war nomi­nell refor­miert, enga­gier­te sich aber als ein Mit­be­grün­der der sog. Lit­ur­gi­schen Bewe­gung. Die­ser ging es um eine Neu­be­le­bung des got­tes­dienst­li­chen und spi­ri­tu­el­len Lebens im Pro­tes­tan­tis­mus. Unter Rit­ters ener­gi­scher Lei­tung erfuhr die vor­her bild­lo­se Uni­ver­si­täts­kir­che eine radi­ka­le Neu­ge­stal­tung zu dem Raum, wie er sich heu­te dar­bie­tet: mit einem gold­far­be­nen Lett­ner, der den Weg des Hei­lands von sei­ner Emp­fäng­nis bis Pfings­ten dar­stellt, und einem Hoch­kreuz über dem nun zen­tra­len Altar: Quel­le des Lebens der Gemein­de soll­te die Abend­mahls­fei­er in der Form der sog. Evan­ge­li­schen Mes­se sein. Die­se knüpft an die Mess­re­form Luthers an und inte­griert Ele­men­te der Öku­me­ne. 1931 wur­de in der Kreuz­ka­pel­le der Uni­ver­si­täts­kir­che die Evan­ge­li­sche Micha­els­bru­der­schaft gegrün­det, der auch Kurt Reu­ber (1906–1944), der Schöp­fer der ‚Sta­lin­grad-Madon­na’, bei­trat. Als Vikar an der Uni­ver­si­täts­kir­che von 1931 bis 1933 erfuhr er an ihr eine star­ke theo­lo­gisch-spi­ri­tu­el­le Prägung.

Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Die Umge­stal­tung der Uni­ver­si­täts­kir­che führ­te des­halb wohl nicht zum Streit inner­halb der gegen­über dem cha­ris­ma­ti­schen Pfar­rer Rit­ter grund­sätz­lich auf­ge­schlos­se­nen Gemein­de, weil recht bald die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus in den Vor­der­grund trat. Die zwei amtie­ren­den Pfar­rer der Uni­ver­si­täts­kir­che gehör­ten den gegen­sätz­li­chen Grup­pie­run­gen jeweils an füh­ren­der Stel­le an: Karl Veer­hoff (1883–1953) avan­cier­te als ‚Deut­scher Christ’ gar zum stell­ver­tre­ten­den Lan­des­bi­schof, Rit­ter agier­te vor allem in den Jah­ren 1933/34 und eta­blier­te im Gemein­de­haus der Uni­ver­si­täts­kir­che die Geschäfts­stel­le der ‚Beken­nen­den Kir­che’ der Lan­des­kir­che. Mehr­mals wur­de Rit­ter von den Natio­nal­so­zia­lis­ten bedroht und sogar in Haft genom­men. In den Uni­ver­si­täts­got­tes­diens­ten pre­dig­ten die bedeu­ten­den Theo­lo­gie­pro­fes­so­ren Rudolf Bult­mann (1884–1976) und Hans von Soden (1881–1945), wel­cher Rit­ter 1934 in der Lei­tung der ‚Beken­nen­den Kir­che’ ablöste.



Universitätsgottesdienste, Kirchengemeinde und Evangelische Messe

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg gelang es unter Pfar­rer Rit­ter als Dekan, die so lan­ge kon­fes­sio­nell getrenn­ten evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­den Mar­burgs zusam­men­zu­füh­ren. In der Uni­ver­si­täts­kir­che muss­te sich frei­lich erst noch — das ver­lief über Jahr­zehn­te durch­aus nicht kon­flikt­frei — das Gegen­ein­an­der meh­re­rer Strö­mun­gen zu einem Mit­ein­an­der ent­wi­ckeln. Heu­te fin­den selbst­ver­ständ­lich wei­ter die Uni­ver­si­täts­got­tes­diens­te der renom­mier­ten theo­lo­gi­schen Fakul­tät statt. Sie sind mitt­ler­wei­le nicht mehr rein aka­de­misch geprägt, son­dern den Küns­ten und aktu­el­len poli­tisch-gesell­schaft­lich-reli­giö­sen The­men auf­ge­schlos­sen. Bei­be­hal­ten wur­den auch die Got­tes­diens­te in der nie­der­hes­sisch-refor­mier­ten neben der von Pfar­rer Rit­ter eta­blier­ten lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on. Die Uni­ver­si­täts­kir­che bie­tet so das viel­fäl­tigs­te Got­tes­dienst­an­ge­bot aller Mar­bur­ger Kir­chen, viel­leicht sogar ganz Hessens.

Literatur

  • Mar­gret Lem­berg, Die Uni­ver­si­täts­kir­che zu Mar­burg. Von der Kir­che der Domi­ni­ka­ner zur refor­mier­ten Stadt- und Uni­ver­si­täts­kir­che. His­to­ri­sche Kom­mis­si­on für Hes­sen, Mar­burg 2016

 

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