Sams­tag, 17. Dezem­ber 2016


Reicher Mann

Rei­cher Mann und armer Mann
Stan­den da und sahn sich an.
Und der Arme sag­te bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Ber­told Brecht 1898–1956, deut­scher Dra­ma­ti­ker und Lyri­ker


Arm – reich

Lesen wir die Tages­blät­ter, beson­ders der Groß­städ­te, so fin­den wir, meist in den Win­ter­mo­na­ten Thea­ter, Kon­zer­te, Bäl­le, Eis­par­ti­en usw. wel­che „zum Bes­ten der Armen“ ver­an­stal­tet wer­den. In die­se Art der Beschaf­fung der Mit­tel zur Armen­pfle­ge tritt so recht der Ego­is­mus unse­rer moder­nen Geld­men­schen zuta­ge. Anstatt dem armen Mit­men­schen, der wohl in den meis­ten Fäl­len durch die Pro­fit­wuth des nach­he­ri­gen „Wohl­tä­ters“ arm wur­de, direkt bei­zu­ste­hen, will das „mit­lei­di­ge“ Prot­z­ent­hum zuerst sein Ver­gnü­gen haben, zuerst glän­zen, zuerst Gele­gen­heit zur Anknüp­fung aller mög­li­chen Ver­hält­nis­se haben und dann, wenn tau­sen­de Mark im Klei­der­putz, im Spiel, im Trunk, und wohl auch in Din­gen, die das Licht scheu­en, ver­ju­belt wor­den sind, dann kön­nen ja viel­leicht noch immer eini­ge Hun­dert für die Armen abfal­len. Bro­sa­men von der Tafel des rei­chen Pras­sers.

Autor unbe­kannt, Quel­le: Aache­ner Kri­ti­sche Revue 1893