Frei­tag, 2. Dezem­ber 2016


Nein sagen

Nichts ist schwe­rer und nichts erfor­dert mehr Cha­rak­ter, als sich in offe­nem Gegen­satz zu sei­ner Zeit zu befin­den und laut zu sagen: Nein.

Kurt Tuchol­sky 1890–1935, deut­scher Schrift­stel­ler und Jour­na­list


Sehnsucht

Wie eine lei­se Glo­cke klingt
Die Sehn­sucht in mir an;
Weiss nicht, woher, wohin sie singt,
Weil ich nicht lau­schen kann.

Es treibt das Leben mich wild um,
Dröhnt um mich mit Gebraus,
Und mäh­lich wird die Glo­cke stumm,
Und lei­se klingt sie aus.

Sie ist nur für den Fei­er­tag
Gemacht und viel zu fein,
Als dass ihr bebe­b­an­ger Schlag
Dräng in die Lärm­luft ein.

Sie ist ein Ton von dor­ten her,
Wo alles Fei­er ist;
Ich woll­te, dass ich dor­ten wär,
Wo man den Lärm ver­gisst.

Otto Juli­us Bier­baum 1865–1910, deut­scher Schrift­stel­ler