Don­ners­tag, 1. Dezem­ber 2016


Erlösung

Die Tage der Advents- und Weih­nachts­zeit sind nicht ein War­ten auf etwas, das wer­den woll­te oder soll­te, auch nicht das Ange­den­ken an etwas, das war; sie bil­den viel­mehr ein Kalei­do­skop von The­men: Hoff­nun­gen, Visio­nen und Sehn­süch­ten, von Wesens­bil­dern, wie sich unser Dasein wan­deln könn­te, wan­deln müss­te, um zu sei­ner Wahr­heit hin­zu­fin­den.

Woher erwächst in uns ein Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen, der Hym­ne der himm­li­schen Heer­scha­ren über den Flu­ren Bet­le­hems zu lau­schen und inmit­ten die­ser Kai­ser-Augus­tus-Welt von mili­tä­ri­scher Gewalt und welt­um­span­nen­der Gier nach Geld, nach Macht­ge­winn, nach Herr­schaft einen „Frie­den“ „der Men­schen sei­ner Gna­de“ auch nur für mög­li­ch zu hal­ten, ja, als unbe­ding­ten Auf­trag zu begrei­fen? Wie ler­nen wir’s, die War­nung unse­rer Träu­me zu ver­ste­hen, die töd­li­che Gefahr signa­li­sie­ren ange­sichts die­ser wie ganz nor­mal ver­wal­te­ten Hero­des-Welt? Und das Sym­bol des Kin­des, in dem Gott immer aufs Neue die Wege unse­rer Mensch­wer­dung ver­sucht: die­ses Rin­gen und die­ses Rei­fen um die Hei­lung und die Hei­li­gung des Daseins im Scho­ße einer „jung­fräu­li­chen“ Mensch­lich­keit, die unbe­rührt bleibt von den Zwän­gen und Zumu­tun­gen des ste­ten Kreis­laufs von erbar­mungs­lo­ser Kon­kur­renz und Krieg und Kapi­tal.

Ein ris­kan­tes Leben? Gewiss. Ein dro­hen­des Schei­tern? Ja, sicher. Und doch: Der ein­zi­ge Weg zur Wahr­haf­tig­keit.

Eugen Dre­wer­mann, „Der offe­ne Him­mel“