Bei einem Rundgang durch die beiden Pfarrbezirke lernen Sie die Gebäude der Kirchengemeinde, die Glasfenster in der Kapelle des Philippshauses und die Orgel von St. Jost kennen.
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Rundgang durch die beiden Gemeindebezirke
1949 ist die reformierte Kirchengemeinde mit den lutherischen Gemeinden zur evangelischen Kirche in Marburg vereinigt worden. Bei der Neuzuteilung der Pfarrbezirke ist ein Gemeindegebiet um die Universitätskirche entstanden, das vom Friedrichsplatz bis zum Ortenberg reicht. Zur Zeit gehören nach der offiziellen Zählung 3484 Mitglieder zu der Universitätskirchengemeinde (Stand: 01.01.2004).
Westbezirk
In diesem Gebiet leben 1800 evangelische Gemeindeglieder mit eingetragenem Hauptwohnsitz.
Zu diesem Bezirk gehören Teile der Oberstadt im Bereich der Universitätskirche um die Untergasse, die Hofstatt und die Reitgasse. Von den südlichen Teilen vom Pilgrimstein und der Biegenstraße zieht sich das Gebiet über den Rudolfsplatz in das Südviertel hinein. „Am Grün“ und „Auf der Weide“ mit dem Begegnungs- und Altenhilfezentrum St. Jakob schließen sich an. Die Grenze des Bezirks bilden die Lahn, die Friedrichstraße und die Universitätsstraße.
In der Nähe vom Friedrichsplatz liegt das Pfarrhaus.

Das Pfarrhaus in der Liebigstraße 35, 1902 als privates Wohnhaus fertiggestellt, ist von der evangelischen Kirche 1910 erworben und als Pfarrhaus eingerichtet worden. Zeitweise dienten die unteren Räume auch der Gemeindearbeit der Universitätskirchengemeinde und der evangelischen Diakoniestation. Heute ist hier neben der Wohnung der Pfarrfamilie eine weitere vermietete Wohnung und das Pfarramt der Universitätskirche West untergebracht.
Neue Räume für die Gemeindearbeit im Westbezirk sind 1990 bei der Renovierung des Philippshauses in der Universitätsstraße 30 geschaffen worden.

Das Philippshaus ist durch eine Initiative aus dem Jahr 1904 entstanden. In jenem Jahr feierte die Stadt Marburg den 400. Geburtstag des Landgrafen Philipp. Aus diesem Anlass trafen sich damals zu verschiedenen Anlässen Vertreter aus der lutherischen und der reformierten Kirchengemeinde. Man wollte sich an die Offenheit des Landgrafen gegenüber den reformatorischen Bestrebungen Luthers in Wittenberg wie auch Zwinglis in Zürich erinnern. Eine Willenserklärung zur Weiterarbeit wurde dabei beschlossen mit dem Ziel, einen gemeinsamen Verein zu gründen und dafür ein Gemeindehaus zu errichten. Am 12. November 1904 lag eine Vereinssatzung vor, in der feierlich die Verpflichtung niedergeschrieben wurde, „für alle Bestrebungen evangelischer Liebestätigkeit in Marburg den Mittelpunkt zu bilden“.
Nach langen Bemühungen um Spenden konnte das Grundstück an der Universitätsstraße erworben und am 1. April 1911 der Grundstein gelegt werden. Am 16. Juni 1912 ist das Philippshaus unter großer öffentlicher Anteilnahme eingeweiht worden. Für kirchengemeindliche Zwecke, wie auch für soziale und wohltätige Veranstaltungen stand es in den folgenden Jahren zur Verfügung.
Als nach dem 2. Weltkrieg die Alliierten die Stadtsäle besetzt hielten, wurde das Philippshaus zu einem wichtigen Kulturzentrum in Marburg. Hier fanden Konzerte statt. Das Kino „Capitol“ bot seine Filmvorführungen an. Bis in die fünfziger Jahre hinein hatte das Marburger Schauspiel hier seinen Proben- und Aufführungsort.
Nach wie vor war das Philippshaus immer noch zentraler Versammlungsort für die evangelischen Kirchengemeinden. In den siebziger Jahren, als auch an anderen Stellen der Stadt immer mehr Gemeindehäuser gebaut worden waren und der Bedarf an dieser Stelle zurückging, beschloss die evangelische Kirche, die Hälfte des Hauses mit dem großen Saal für 50 Jahre an die „Studentenmission Deutschland“ zu verpachten.
Heute ist in dem westlichen Teil eine große Kindertagesstätte, der „Club X“ des Stadtjugendpfarramts und die Psychologische Beratungsstelle der evangelischen Kirche zu finden.
Veranstaltungen der Universitätskirchen- und der Pfarrkirchengemeinde wie auch des Kirchenkreises finden in den Gemeinderäumen in der 1. Etage statt. In die Hauskapelle wird regelmäßig zu einer Wochenschlussandacht am Samstag um 18.00 Uhr eingeladen.
Im Jahr 1989 erhielt die Kapellle neue kunstvolle Glasfenster.
Über die alte Lahnbrücke kommt man in den
Ostbezirk
Im Gemeindebezirk Ost sind 1684 evangelische Gemeindeglieder mit ihrem Hauptwohnsitz eingetragen. Mitten durch diesen Bezirk führt die zur Stadtautobahn ausgebaute Bundesstraße.
Auf der westlichen Seite liegt Weidenhausen und der Erlenring. Gleich auf der östlichen Seite findet man die Filialkirche St. Jost mit dem alten Weidenhäuser Friedhof. Die ehemalige Siechenkapelle lag früher sichtbar am Rand des Stadtteils Weidenhausen, ist aber durch den Bau der Stadtautobahn künstlich davon abgetrennt worden.

Die St.-Jost-Kapelle am Siechenhaus war im Spätmittelalter ein Zufluchtsort für Pilger und Pflegebedürftige, die hier am Rand der Stadt ihr Dasein fristeten. Heute versammelt sich hier eine Gemeinde aus Weidenhausen und vom Ortenberg, die regelmäßig ihre Wochenschlussandacht am Samstag um 17.00 Uhr feiert. Das „Kappelchen“ ist auch ein bekannter und bevorzugter Ort für Taufen und Trauungen in Marburg.
Hier wird die Glocke noch mit der Hand geläutet – nicht nur zu einem Gottesdienst, sondern auch an jedem Abend in der Woche.
Aus der Untersuchung des Dachgestühls der Kirche ergibt sich, dass im gotischen Chorraum Balken aus dem Jahr 1310 und im späteren Erweiterungsbau Balken von 1382 und 1383 verwendet wurden. Die Baunaht zwischen der ursprünglichen Kapelle und ihrer Erweiterung ist an den beiden Seitenwänden noch deutlich erkennbar.
Die Empore stammt aus dem Jahr 1606.
Im Jahr 1997 erhielt die Kapelle eine neue Orgel.
Weitere Informationen und Bilder zu St. Jost finden Sie unter www.jodok.de.
Für die neu entstandenen Siedlungen auf dem Ortenberg in den fünfziger Jahren wurde das Gemeindehaus Ost gebaut.

Das Gemeindehaus Ost und Pfarrhaus in der Georg-Voigt-Straße 89 wurde 1955 von Pfarrer Walter Lotz eingeweiht und dient heute neben der Gemeindearbeit zahlreichen Chören und Gastgruppen als Versammlungsort.
Dietrich Hannes Eibach
Die Psalmfenster im Philippshaus
Am 2. September 1998 übergab der Glasmaler Erhardt Jakobus Klonk [1] an die Gemeinde in der Philippshauskapelle sechs Farbfenster, auf denen Worte aus den Psalmen dargestellt sind.
Bei der festlichen Übergabe regte der Maler die Gottesdienstbesucher zur eigenen Auseinandersetzung mit den bekannten Psalmmotiven an und ermutigte zu einer eigenen Betrachtungsweise:
Sie, die Zuschauer, müssen zu Hinschauern werden, den Farben in sich selbst Raum geben und die Linien befragen. Und dann nicht selbst Antwort geben, sondern warten, warten bis Antwort kommt.
Wer an einem sonnigen Spätnachmittag oder einem frühen Abend am Philippshaus vorbeikommt, mag einmal in die Kapelle gehen und sich auf die Formen, Farben und Linien dieser Glasfenster einlassen. Hier lässt sich warten lernen auf das, was uns die alten Psalmworte durch neue Einsichten hindurch sagen wollen [2].
Dietrich Hannes Eibach
Anmerkungen
- ↑ Seite von Erhardt Jakobus Klonk beim „Marburger Forum“
- ↑ Fotos der Farbfenster mit Meditationstexten von Dekan Dietrich Müller und Pfarrer Joachim Teetz können im Philippshaus erworben werden.
Die Orgel von St. Jost

Die Orgel in der St.-Jost-Kapelle ist nach historischen Vorbildern von der friesischen Orgelbaufirmafirma Martin ter Haseborg gebaut und 1997 eingeweiht worden.
Sie hat folgende Disposition:
I. Clavier (C-g´´´)
- Rohrfloit 8-vt
- Principal 4-vt
- Octav 2-vt
II. Clavier (C-g´´´)
- Gedact 8-vt
- Rohrfloit 4-vt
- Nasat 3-vt
- Terts 3/5-vt
Pedal (C-f´)
- Pedalcoppel I
- Pedalcoppel II
- Manualschiebekoppel
- Modifizierte mitteltönige Temperatur
Dietrich Hannes Eibach
Weblink
- Informationen und Bilder zu St. Jost unter www.jodok.de





