Evangelische Michaelsbruderschaft

In der Kreuzkapelle der Universitätskirche wurde am 1. Oktober 1931 die Evangelische Michaelsbruderschaft (EMB) ge­stif­tet. Bis 2008 war im­mer auch min­des­tens ein Mitglied der Michaelsbruderschaft. Und auch wenn das Zentrum der EMB sich seit den 1960er Jahren sich im Kloster Kirchberg im Schwarzwald be­fin­det, die Verbundenheit bleibt. Wohl in kei­ner Kirchengemeinde wer­den die lit­ur­gi­schen Impulse, die die EMB ge­ge­ben hat, so kon­stant um­ge­setzt wie in der Universitätskirche Marburg: Wir fei­ern die Evangelische Messe je­den Donnerstag, an aus­ge­wähl­ten Sonntagen und an den ho­hen Festen des Kirchenjahres: die Heilige Nacht, Epiphanias, Lichtmess, Aschermittwoch, Palmsonntag und die Karwoche, Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht, Himmelfahrt, Pfingsten, Johannis, Michaelis, Reformation, Allerheiligen und den Ewigkeitssonntag.

Die Evangelische Michaelsbruderschaft ge­hört zu den an­er­kann­ten Kommunitäten und geist­li­chen Gemeinschaften.

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Wir wol­len ei­nem je­den in un­se­rer Mitte hel­fen zu er­ken­nen, wie er in sei­nem be­son­de­ren Lebenskreise der Kirche die­nen soll.

Aus der Stiftungsurkunde von 1931

An der Kirche bauen

Mit der Universitätskirche in Marburg ist die be­son­dere got­tes­dienst­li­che Form der Feier der Evangelischen Messe ver­bun­den, und das ist kein Zufall: Dieser fest­li­che Abendmahlsgottesdienst mit lit­ur­gi­schen Gewändern und ei­ner öku­me­ni­schen Ausrichtung ist über Jahrzehnte an die­ser Kirche ent­wi­ckelt und ge­pflegt wor­den. Die be­son­dere got­tes­dienst­li­che Tradition ver­dankt sich zum ei­nem dem lang­jäh­ri­gen Wirken von Pfarrer (spä­ter Dekan und Kirchenrat) Karl Bernhard Ritter, sie ist aber auch aufs Engste ver­knüpft mit der Evangelischen Michaelsbruderschaft, die am 1. Oktober 1931 in der Oberkapelle (Kreuzkapelle) der Universitätskirche ge­stif­tet wurde.

Karl Bernhard Ritter (Foto Marburg)

Die gro­ßen Umbrüche zu Beginn des 20 Jahrhunderts, die Erfahrung des Ersten Weltkrieges und nicht zu­letzt das Ende des al­ten „lan­des­herr­li­chen Kirchenregiments“ stürz­ten die evan­ge­li­schen Kirchen in Deutschland in den zwan­zi­ger Jahren in eine Orientierungskrise. Auf der Suche nach ei­nem neuen Selbstverständnis der Kirche und nach Wegen zur Verkündigung des Evangeliums in der mo­der­nen Welt tra­fen sich von 1923 bis 1928 evan­ge­li­sche Laien und Theologen auf dem Gut Berneuchen in der Neumark zu jähr­li­chen Konferenzen. Aus die­sem Berneuchener Kreis ent­wi­ckelte sich zu­nächst eine lo­ckere geist­li­che Gemeinschaft, die aber dem Wunsch und Bedürfnis nach ei­ner stär­ke­ren Verbindlichkeit noch nicht ent­sprach. Zu Michaelis (29. September) 1931 lud Karl Bernhard Ritter (seit 1925 Pfarrer an der Universitätskirche) den Berneuchener Kreis nach Marburg ein. Am 1. Oktober 1931 schlos­sen sich 22 Männer, Theologen wie Nichttheologen fei­er­lich zu ei­ner ver­bind­li­chen geist­li­chen Gemeinschaft zu­sam­men, die den Namen „Evangelische Michaelsbruderschaft“ er­hielt. Zu den Stiftern zähl­ten un­ter an­de­rem der Marburger Landrat Ernst Schwebel, der Darmstädter Arzt Carl Happich, der Hamburger Architekt und Kirchenbaumeister Gerhard Langmaack und der spä­tere Oldenburger Bischof Wilhelm Stählin. Erster Ältester der Bruderschaft wurde Karl Bernhard Ritter. Eine Gedenktafel in der Kreuzkapelle der Universitätskirche er­in­nert an den Tag der Stiftung der Bruderschaft.

Kreuzkapelle (Foto: Jörg Rustmeier)

Stand am Anfang der Wunsch nach ei­ner ver­bind­li­chen Form für die Gestaltung des geist­li­chen Lebens in ei­ner Gemeinschaft, so hat die Michaelsbruderschaft im Laufe ih­rer Geschichte man­cher­lei Impulse auf­ge­nom­men und aus ih­ren Erfahrungen in die Kirche hin­ein ge­wirkt. Die Entdeckung der Meditation für die evan­ge­li­sche Kirche, die Gestaltung ei­nes evan­ge­li­schen Stundengebets, die Wiedergewinnung des Abendmahls, des Kirchenjahres und des rei­chen Erbes lit­ur­gi­scher Traditionen und nicht zu­letzt die Öffnung der evan­ge­li­schen Kirche für die Ökumene, – all das ist mit der Evangelischen Michaelsbruderschaft ver­bun­den – und zu ei­nem gu­ten Teil mit dem Namen Karl Bernhard Ritter und der Marburger Universitätskirche. Seit 1931 fühlt sich die Universitätskirche mit ih­ren Pfarrern und Mitarbeitern der Michaelsbruderschaft ver­bun­den. Selbst Mitglieder wa­ren die Gemeindepfarrer Karl Bernhard Ritter, Walter Lotz, Friedrich Dickmann, Jürgen Renner, Uwe Kühneweg und zu­letzt Dietrich Röhrs.

Die Berneuchener Bewegung stellt sich heute als ein Baum mit ver­schie­de­nen Ästen dar: Neben die schnell wach­sende Michaelsbruderschaft tra­ten schon bald eine Jungbruderschaft so­wie die Gemeinschaft des „Berneuchener Dienstes“, schließ­lich ist als jüngs­ter Spross aus der Michaelsbruderschaft auch die „Gemeinschaft St. Michael“ her­vor­ge­gan­gen in der sich Männer und Frauen un­ter ei­ner ver­bind­li­chen Ordnung zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben.

Zur evan­ge­li­schen Michaelsbruderschaft ge­hö­ren heute etwa 400 Männer aus ganz Mitteleuropa (und aus ver­schie­de­nen Konfessionen). Die Bruderschaft ver­steht sich nicht als Sondergemeinschaft in­ner­halb der Kirche, son­dern als ein be­wuss­ter Dienst in der Kirche und an der Kirche, nach dem Grundsatz: „Wir kön­nen an der Kirche nur bauen, wenn wir sel­ber Kirche sind.“

Uwe Kühneweg
(zu­erst er­schie­nen in der Oberhessischen Presse am 2. Oktober 2001; ak­tua­li­siert)

→ „Von Prädikant zu Prädikant“ – Gespräch mit dem Michaelsbruder Willi Zimmermann
→ Achtzig Jahre Evangelische Michaelsbruderschaft

 

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