Aktuell: Denkanstöße

Advent 2016: Worauf wir warten…

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Advent in St. Jost

Jahreslosung 2016

Jahreslosung 2016

Man­del­frucht (Losung aus Jesa­ja 66,13, Foto: pixabay.com)

…dass das Licht der Weihnacht uns leuchtet

Weihnachtsaltar

Weih­nachts­al­tar in der Uni­ver­si­täts­kir­che (Foto: Jörg Rust­mei­er)

Kyrie, Kyrie elei­son.
Kyrie, Kyrie elei­son.

Lass dei­nen Frie­den unter uns erstrah­len
und befreie uns in dei­ner Lie­be,
Herr, wir bit­ten dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für Frie­den in der Welt,
und Ver­söh­nung unter den Völ­kern
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Dass wir Wege fin­den, die Güter der Erde
bes­ser unter allen Men­schen zu tei­len,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für alle, die auf der Flucht sind,
die Hil­fe und Asyl brau­chen,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für alle, die nach Lösun­gen suchen,
die sich für Frie­den und Gerech­tig­keit ein­set­zen,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für das Zusam­men­le­ben in unse­rem Land,
um Tole­ranz und Mit­ge­fühl
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für uns alle, die wir hier ver­sam­melt sind,
dass das Licht der Weih­nacht uns leuch­tet,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…


Für­bit­ten­ge­bet zu Weih­nach­ten 2015 -
gesun­gen von Chor und Gemein­de am 4. Advent
in der Uni­ver­si­täts­kir­che

Selig…

Tsauchab/Namibia

In jener Zeit, als Jesus die vie­len Men­schen sah, die ihm folg­ten, stieg er auf einen Berg. Er setz­te sich, und sei­ne Jün­ger tra­ten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehr­te sie.

Er sag­te: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Him­mel­reich. Selig die Trau­ern­den; denn sie wer­den getrös­tet wer­den. Selig, die kei­ne Gewalt anwen­den; denn sie wer­den das Land erben. Selig, die hun­gern und dürs­ten nach der Gerech­tig­keit; denn sie wer­den satt wer­den. Selig, die Barm­her­zi­gen; denn sie wer­den Erbar­men fin­den. Selig, die ein rei­nes Herz haben; denn sie wer­den Gott schau­en. Selig, die Frie­den stif­ten; denn sie wer­den Söh­ne und Töch­ter Got­tes genannt wer­den. Selig, die um der Gerech­tig­keit wil­len ver­folgt wer­den; denn ihnen gehört das Him­mel­reich.

Selig seid ihr, wenn ihr um mei­net­wil­len beschimpft und ver­folgt und auf alle mög­li­che Wei­se ver­leum­det wer­det. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Him­mel wird groß sein.

Mat­thä­us 5,1–12a

Wie wer­de ich glück­lich?

Glück­lich bin ich, wenn ich nicht mehr hun­ge­re, denkt der Hun­gern­de; wenn ich nicht mehr trau­rig bin, denkt der Trau­ern­de; wenn ich gesund bin, denkt der Kran­ke.

Ich bin glück­lich, den­ke ich mir oft, wenn es bei der Arbeit gut läuft; wenn ich beruf­lich Erfolg habe; wenn es in der Fami­lie rund läuft, alle zufrie­den und gesund sind; wenn ich mit mei­nen Freun­den zusam­men sein kann; wenn ich Freund­schaft, Aner­ken­nung und Lie­be erfah­re, wenn das Wet­ter schön ist; wenn ich Frei­zeit habe; wenn ich ver­rei­sen kann; wenn ich mir mei­nen beschei­de­nen Wohl­stand leis­ten kann; wenn ich kei­ne Angst vor der Zukunft haben muss.

Ich wäre glück­li­cher, wenn ich mehr glück­li­che Men­schen um mich her­um sähe; wenn es weni­ger Leid gäbe — hier und welt­weit; wenn poli­tisch beherz­ter gehan­delt wür­de; wenn Armut, Hun­ger, Elend und Krieg ent­schie­de­ner bekämpft wür­den; wenn es mehr Frie­den und Gerech­tig­keit in der Welt gäbe.

Und hier fan­gen mei­ne Sor­gen an, bei mir selbst: Sor­gen um mei­ne Fami­lie; Sor­gen um mei­ne Mit­men­schen; Sor­gen um die Welt. Sor­gen um die Zukunft. Das Sor­gen erscheint manch­mal wie eine Ein­bahn­stra­ße, die in eine unge­wis­se Rich­tung führt.

Jesus stellt das alles auf den Kopf. Er emp­fiehlt ande­re Wege: Frie­den stif­ten, Barm­her­zig­keit üben, ein rei­nes Herz haben, Gerech­tig­keit suchen, gewalt­los han­deln. So wird man glück­lich — auch wenn das Leben das noch nicht zeigt! Doch Jesus gibt die fes­te Zusa­ge, dass selbst Armut, Trau­er und Ver­fol­gung nicht hin­dern, dass das Glück kom­men wird.

Jörg Rust­mei­er — Evan­ge­li­sche Mes­se, Uni­ver­si­täts­kir­che, 5. Novem­ber 2015
(Foto: Land­schaft am Tsauch­ab River, Nami­bia — Jörg Rust­mei­er)

Jahreslosung 2015
Nehmt ein­an­der an, wie Chris­tus euch ange­nom­men hat
zu Got­tes Lob. (Römer 15,7)

Welcome Refugees - Willkommen Flüchtlinge

(Foto: Initia­ti­ve Ech­te Sozia­le Markt­wirt­schaft — IESM / pixelio.de)

Jahreslosung 2014

Jahreslosung 2014

Psalm 73,28

Gottes Gärten

Garten

(Foto: Jörg Rust­mei­er)

„Bin im Gar­ten…“ — einen sol­chen Hin­weis kle­ben wir an unse­re Haus­tür, wenn wir im Gar­ten sind. „Bin im Gar­ten…“ kann hei­ßen: gemüt­li­ches Sit­zen bei Kaf­fee und Kuchen? Oder doch beim Unkraut­jä­ten oder Rasen­mä­hen? Die Fül­le der Mög­lich­kei­ten macht neu­gie­rig. Man geht in den Gar­ten und sieht nach. Viel­leicht kön­nen wir uns dazu­set­zen, den Duft der Blu­men genie­ßen, ein gutes Gespräch füh­ren. Wer einen Gar­ten hat, der weiß aller­dings, dass vor dem Aus­ru­hen die Arbeit kommt. Wie auch immer — ich bin ger­ne im Gar­ten hin­ter dem Pfarr­haus in der Lie­big­stra­ße.
„Bin im Gar­ten…“ — die­ser Hin­weis hilft nicht nur Men­schen wei­ter, die jeman­den besu­chen wol­len. Er hilft auch Gott-Suchern. Denn wenn sie die Geschich­ten der Bibel lesen, kön­nen sie ent­de­cken, dass Gott oft im Gar­ten zu fin­den ist: Im Gar­ten Eden geht er umher und ruft: „Adam, wo bist du?“ Im Gelob­ten Land pflanzt Gott sein Volk wie einen Wein­berg und lässt es erblü­hen wie eine Lilie. Den Gar­ten der Lie­be erfüllt Gott mit wun­der­ba­ren Düf­ten und zeigt den Ver­lieb­ten die Schön­heit sei­ner Schöp­fung. Im Gar­ten Geth­se­ma­ne kämpft Jesus Chris­tus um sei­ne Lie­be zu den Men­schen. Im Fried­hofs­gar­ten begeg­net er Maria Mag­da­le­na als Gärt­ner ihrer See­le. Im Gar­ten des himm­li­schen Jeru­sa­lems am Strom des Lebens wohnt Gott bei den Men­schen und wischt alle Trä­nen von ihren Augen. Gott ist im Gar­ten — als Gärt­ner und in jedem Samen­korn, das auf­bricht, sich ver­wan­delt und her­an­wächst zu einem neu­en Leben. „Bin im Gar­ten… im Kei­men, Wach­sen und Blü­hen, im Ver­ge­hen und wie­der Auf­er­ste­hen!“ Der Gar­ten in der Bibel ist ein Gleich­nis für das Leben der Men­schen in der Gegen­wart Got­tes. Doch die Mensch­heit schafft es, der Schöp­fung das Leben schwer zu machen. Aber es gibt in der Bibel den Traum von einer Welt, wie sie sein könn­te: ein Ort der Schön­heit und des Frie­dens, der Frucht­bar­keit und des Heils und der inni­gen Ver­bun­den­heit alles Leben­di­gen.

Felix Fink­bei­ner scheint die­sem Traum näher zu kom­men. Er rief das Pro­jekt „Plant-for-the-Pla­net“ 2007 ins Leben, nach einem Schul­re­fe­rat. Er ent­wi­ckel­te die Visi­on, dass Kin­der in jedem Land der Erde eine Mil­li­on Bäu­me pflan­zen kön­nen. Jeder gepflanz­te Baum ent­zieht, bis er aus­ge­wach­sen ist, der Atmo­sphä­re etwa drei Ton­nen CO². Aus der Visi­on wur­de Wirk­lich­keit. Inzwi­schen sind zwölf Mil­li­ar­den Bäu­me gepflanzt. Ich habe Hoff­nung. Unser Schöp­fungs­gar­ten kann wie­der ein Ort der Schön­heit und des Frie­dens, der Frucht­bar­keit und des Heils und der inni­gen Ver­bun­den­heit alles Leben­di­gen wer­den.

Kat­ja Simon

Jahreslosung 2013

Jahreslosung 2013. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebräer 13,14

Jah­res­lo­sung 2013 — Wir haben hier kei­ne blei­ben­de Stadt, son­dern die zukünf­ti­ge suchen wir (Hebrä­er 13,14)

Hagia Sophia, Istan­bul (Foto: Jörg Rust­mei­er)

Sommer

(Foto: Jörg Rust­mei­er)

Ich komm im Som­mer­wald daher
Und lau­sche sei­nem Weben –
Kein mensch­lich Schrei­ten trägt mich mehr,
Ein Wal­len ist’s und Schwe­ben.

Ich bli­cke nie­der zur Blu­me ins Kraut,
Blick auf zur Sonn in die Höhe –
Wie aus dem Klei­nen das Gro­ße sich baut:
Gehei­ligt ist, was ich sehe!

Klar wird’s in mir und seher­hell –
Wie mei­ne Sin­ne lau­schen,
Klingt in mich ein, was leis der Quell,
Was Grä­ser und Bäu­me rau­schen,

Hör ich das krei­sen­de Blut der Natur
Durch Erden und Wel­ten wal­len,
Hör ich durch alle Krea­tur
Den  e i n e n  Herz­schlag hal­len.

Fer­di­nand Ernst Albert Ave­na­ri­us (1856–1923)
Aus der Samm­lung Jahr­buch

Wir wün­schen allen unse­ren Gäs­ten und Mit­ar­bei­te­rIn­nen schö­ne und erhol­sa­me Som­mer­fe­ri­en.

Uni­ver­si­täts­kir­chen­ge­mein­de Mar­burg

Leben aus deiner Hand“

Gedanken zum Sonntag Septuagesimae

Wozu beten? Damit uns nichts selbst­ver­ständ­lich wird. Selbst­ver­ständ­lich ist nur das Nichts.“ So schreibt Kurt Mar­ti im hohen Alter. Einer, der weiß, wovon er spricht. Er hat sei­ne gelieb­te Lebens­part­ne­rin ver­lo­ren. Er nimmt den Abbau sei­ner geis­ti­gen und kör­per­li­chen Kräf­te wahr. Er kennt den bit­te­ren Gedan­ken, dass in die­ser Welt für ihn nichts mehr bleibt, was noch lohnt zu blei­ben.

Doch mit­ten in der Nacht ent­steht die Sehn­sucht nach den ers­ten Anzei­chen der Mor­gen­rö­te. Hil­de Domin ermu­tigt: „Nicht müde wer­den, son­dern dem Wun­der lei­se wie einem Vogel die Hand hin­hal­ten.“

Die Baum­knos­pe am kah­len Ast, die her­vor­bre­chen­den Licht­strah­len hin­ter den dunk­len Wol­ken, das Lächeln in einem frem­den Gesicht. Selbst­ver­ständ­lich ist das nicht. Die war­me Berüh­rung von einer Hand, die dir auf­hilft. Das fri­sche Brot, das dir jemand reicht. Ein Leben im Dia­log mit dem Leben, das dich umgibt.

Beten muss ich nicht ler­nen. Ich schlie­ße mei­ne Augen, fal­te mei­ne Hän­de oder stre­cke sie in den Him­mel. Ich hal­te inne oder gehe durch eine Land­schaft. Ich sin­ge oder wer­de still und tre­te ein in einen Raum, der mir näher ist, als ich mir selbst jemals kom­men kann.

Manch­mal for­mu­lie­re ich in Wor­ten, was mich bewegt. Das kann ein ein­fa­cher Ruf sein: Hilf mir! Oder: Wie lan­ge noch? Oft­mals bit­te ich: Steh mei­nem Nächs­ten bei, sel­te­ner: Sei auch bei dem, der mir fer­ne rückt. Hin und wie­der dan­ke ich für einen beson­de­ren Augen­blick.

Beten kann so ein­fach sein und fällt doch zeit­wei­se so schwer. Wer nimmt wahr, was mich bewegt? Wird mein Anlie­gen über­haupt gehört? Fra­gen, die oft ohne Ant­wort blei­ben.

Beten ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Dar­um frag­ten die Jün­ger ihren Meis­ter: Was sol­len wir beten? Jesus ant­wor­te­te: „Wenn ihr betet, dann sprecht: Vater unser im Him­mel…“ Sei­ne Wor­te ver­bin­den Chris­tin­nen und Chris­ten über Zei­ten und Räu­me hin­weg. Ich bin nicht mehr allei­ne und darf mich mit ande­ren Men­schen zu Gott hin­wen­den so wie ein Kind bei der Mut­ter oder dem Vater Zuflucht sucht. Durch das Gebet Jesu kön­nen wir gemein­sam für das Wich­tigs­te in unse­rem Leben bit­ten. In der Mit­te steht das täg­li­che Brot. Um Zuwen­dung in direk­ter und umfas­sen­der Wei­se geht es dabei. Um ein Leben, das von dem ers­ten bis zum letz­ten Atem­zug auch so genannt wer­den kann. Hin­ter dem täg­li­chen Brot ste­cken Mühe und Arbeit und eine unfass­ba­re Güte. Karl-Hein­rich Bie­ritz sagt in einem Gedicht: „gnä­dig bist du dem acker/ wirfst ihn um/ schol­le für scholle/ trittst ihn mit füßen/ gnä­dig bist du dem samen/ mit vol­len händen/ gibst du ihn fort/ läßt ihn der erde/ der son­ne dem regen/ gnä­dig bist du der ernte/ beugst dich über die halme/ nimmst sie mit schar­fem schnitt/ raffst sie zusammen/ trägst sie davon/ schlägst sie und schlägst sie/ zum brot ja gnä­dig bist du uns allen.“

Ein merk­wür­di­ges Bild: unser Leben wie ein Acker, der da liegt und auf­ge­bro­chen, umge­pflügt, getre­ten wird. Dann wird der Samen aus­ge­sät und der Son­ne, dem Regen und dem Wind über­las­sen. Es braucht Zeit und Geduld, bis der Halm, schließ­lich die Ähre wächst, die spä­ter mit schar­fem Schnitt geern­tet und unter Schlä­gen zu Mehl ver­ar­bei­tet wird. Und erst unter der Hit­ze des Feu­ers ent­steht das Brot, das satt macht.

So wie das Brot erst durch den Pro­zess zu dem wird, was es ist, so ist es auch mit uns selbst.

Ein hoher und groß­zü­gi­ger Ein­satz steckt dahin­ter. Mit Freu­den und Ban­gen ist er ver­bun­den, mit Lust und Leid, mit tat­kräf­ti­gem Han­deln und gedul­di­gem War­ten. Das wird nie­mals selbst­ver­ständ­lich sein. Genau so wenig wie der Frei­raum, die eige­ne Schuld zu benen­nen und die Chan­ce, ein­an­der zu ver­ge­ben und einen Neu­an­fang zu wagen.

Bei dir sind all unse­re Tage gezählt. Das Gesche­he­ne kommt noch ein­mal in Erin­ne­rung. Was mit uns wird, steht noch dahin.

Diet­rich Han­nes Eibach

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