Aktuell: Denkanstöße

9. November – Tag des Gedenkens an die Novemberpogrome

Petrus war unten im Hof. Da kam eine von den Mäg­den des Hohen­pries­ters; und als sie Petrus sah, wie er sich wärm­te, schau­te sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von Naza­reth. Er leug­ne­te aber und sprach: Ich weiß nicht und ver­ste­he nicht, was du sagst. Und er ging hin­aus in den Vor­hof, und der Hahn kräh­te.

Und die Magd sah ihn und fing aber­mals an, denen zu sagen, die dabei­stan­den: Die­ser ist einer von denen. Und er leug­ne­te aber­mals.

Und nach einer klei­nen Wei­le spra­chen die, die dabei­stan­den, aber­mals zu Petrus: Wahr­haf­tig, du bist einer von denen; denn du bist auch ein Gali­lä­er. Er aber fing an, sich zu ver­flu­chen und zu schwö­ren: Ich ken­ne den Men­schen nicht, von dem ihr redet. Und als­bald kräh­te der Hahn zum zwei­ten Mal. Da gedach­te Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hat­te: Ehe der Hahn zwei­mal kräht, wirst du mich drei­mal ver­leug­nen. Und er fing an zu wei­nen.

Mar­kus 14, 66–72

Erinnerung an Karl Bernhard Ritter (1890–1968)

Er war zwei­fel­los der Pfar­rer, der die Kir­chen­ge­mein­de im 20. Jahr­hun­dert am stärks­ten geprägt hat: Unter sei­ner Lei­tung wur­de der Innen­raum der Uni­ver­si­täts­kir­che 1927 so umge­stal­tet, dass die Fei­er des Got­tes­diens­tes wie­der Auge, Ohr und Herz anspre­chen, Leib und See­le berüh­ren konn­te. Rit­ter war ein Mit­be­grün­der der Evan­ge­li­schen Micha­els­bru­der­schaft und der Öku­me­ni­schen und Lit­ur­gi­schen Bewe­gung im Bereich der evan­ge­li­schen Kir­che. In den Jah­ren 1933 und 1934 führ­te er den Wider­stand der hes­si­schen Pfar­rer gegen die Macht­er­grei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten in der Kir­che an; er geriet auch dar­um mehr­mals in Haft und wur­de bedroht. Rit­ter hat die ‚Beken­nen­de Kir­che’ an der Sei­te von Mar­tin Niem­öl­ler mit­be­grün­det. Nach dem Krieg ver­ant­wor­te­te er als Dekan die Ver­ei­ni­gung der bis dahin kon­fes­sio­nell getrenn­ten Mar­bur­ger evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­den. In der Fei­er der Eucha­ris­tie nach der bis in die Alte Kir­che zurück­ge­hen­den Form der „Evan­ge­li­schen Mes­se” erblick­te Rit­ter die eigent­li­che spi­ri­tu­el­le Quel­le für den christ­li­chen Glau­ben und das Leben der Kir­che. Vor 50 Jah­ren, am 15. August 1968, ist Karl Bern­hard Rit­ter gestor­ben.

(Foto aus: Kir­che und Wirk­lich­keit, hg. von Chris­ti­an Zip­pert, Kas­sel 1971)

Jahreslosung 2018

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6

Renais­sance-Mar­mor­brun­nen in Rom (Foto: Jörg Rust­mei­er)

…in dieser lieben Sommerzeit

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in die­ser lie­ben Som­mer­zeit
an dei­nes Got­tes Gaben;
schau an der schö­nen Gär­ten Zier
und sie­he, wie sie mir und dir
sich aus­ge­schmü­cket haben.

(Paul Ger­hardt 1653, EG 503)

Ein­mal wird uns gewiss die Rech­nung prä­sen­tiert
für den Son­nen­schein und das Rau­schen der Blät­ter,
die sanf­ten Mai­glöck­chen und die dunk­len Tan­nen,
für den Schnee und den Wind, den Vogel­flug und das Gras
und die Schmet­ter­lin­ge,
für die Luft, die wir geat­met haben und den Blick auf die Ster­ne
und für alle die Tage, die Aben­de und Näch­te.
Ein­mal wird es Zeit, dass wir auf­bre­chen und bezah­len.
Bit­te die Rech­nung.
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch ein­ge­la­den, sagt der und lacht,
soweit die Erde reicht: Es war mir ein Ver­gnü­gen!

(Lothar Zenet­ti)

Allen unse­ren Gäs­ten,
Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern
eine geseg­ne­te Som­mer­zeit!

(Foto: A_Werdan / pixabay.de)

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schen­ke euch ein neu­es Herz und lege einen neu­en Geist in euch. (Ez 36,26)

Der Jour­na­list Antoi­ne Lei­ris hat bei den Paris-Anschlä­gen (am 13. Novem­ber 2015) sei­ne Frau ver­lo­ren, die Mut­ter sei­nes 17 Mona­te alten Soh­nes. In einem bewe­gen­den Brief erklärt er den Mör­dern, wes­halb er sie nicht hasst.

„Am Frei­tag­abend habt Ihr mir das Leben eines außer­ge­wöhn­li­chen Men­schen geraubt, die Lie­be mei­nes Lebens, die Mut­ter mei­nes Soh­nes, aber mei­nen Hass, den bekommt Ihr nicht. Ich weiß nicht, wer Ihr seid, und ich will es auch gar nicht wis­sen, denn Ihr seid tote See­len. Wenn die­ser Gott, für den Ihr so blind mor­det, Euch nach sei­nem Eben­bild erschaf­fen hat, dann hat jede Kugel im Leib mei­ner Frau auch sein Herz ver­letzt.

Des­halb nein, ich wer­de Euch jetzt nicht das Geschenk machen, Euch zu has­sen. Sicher, Ihr habt es genau dar­auf ange­legt – doch auf die­sen Hass mit Wut zu ant­wor­ten, das hie­ße, sich der­sel­ben Igno­ranz zu erge­ben, die aus Euch das gemacht hat, was Ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich mei­ne Mit­bür­ger mit Arg­wohn betrach­te und mei­ne Frei­heit für mei­ne Sicher­heit opfe­re. Ver­gesst es. Ich bin und blei­be der, der ich war.

Ich habe sie heu­te Mor­gen gese­hen. End­lich, nach Tagen und Näch­ten des War­tens. Sie war noch genau­so schön wie Frei­tag­abend, als sie los­ging, genau­so schön wie damals, vor über 12 Jah­ren, als ich mich unsterb­lich in sie ver­lieb­te. Natür­lich bin ich vor Kum­mer fast am Ende, die­sen klei­nen Sieg geste­he ich Euch zu, aber das wird nicht lan­ge dau­ern. Ich weiß, sie wird mich jeden Tag beglei­ten und dass wir uns im Para­dies der frei­en See­len wie­der­se­hen wer­den – in eben dem Para­dies, zu dem Ihr nie­mals Zutritt haben wer­det.

Wir sind zu zweit, mein Sohn und ich, aber wir sind stär­ker als alle Arme­en die­ser Welt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit für Euch, denn ich muss zu Mel­vil gehen, der gera­de aus sei­nem Nach­mit­tags­schlaf erwacht. Er ist noch nicht ein­mal 17 Mona­te alt, er wird jetzt eine Klei­nig­keit essen wie jeden Nach­mit­tag, und dann wer­den wir mit­ein­an­der spie­len, auch wie jeden Tag, und die­ser klei­ne Jun­ge wird für Euch sein Leben lang ein Affront sein, weil er glück­lich sein wird und frei. Denn, nein, auch sei­nen Hass wer­det Ihr nie bekom­men.“

Antoi­ne Lei­ris, ist Jour­na­list bei Fran­ce Bleu, dem Regio­nal­sen­der von Radio Fran­ce. Die­sen offe­nen Brief ver­öf­fent­lich­te er am Mon­tag­nach­mit­tag (16.11.2015) auf Face­book. Am Vor­mit­tag hat­te er die Lei­che sei­ner Frau Hélè­ne Muy­al-Lei­ris iden­ti­fi­ziert. Die 35 Jah­re alte Mas­ken­bild­ne­rin war am Frei­tag (13.11.) bei dem Ter­ror­an­schlag auf das Bata­clan ermor­det wor­den. Der Text wur­de inzwi­schen mehr als 180.000 Mal geteilt. Die Zei­tung „Le Mon­de“ ver­öf­fent­lich­te ihn am Diens­tag (17.11.) auf ihrer Titel­sei­te.

(Foto: Son­ja Mahr / pixelio.de)

Die Weihnachtsgeschichte

Weih­nachts­en­gel in Izmir (Foto: Jörg Rust­mei­er 2016)

Lesen Sie die Weih­nachts­ge­schich­te nach dem Evan­ge­lis­ten Lukas 2,1–20:

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kai­ser Augus­tus aus­ging, dass alle Welt geschätzt wür­de. Und die­se Schät­zung war die aller­ers­te und geschah zur Zeit, da Qui­ri­ni­us Statt­hal­ter in Syri­en war. Und jeder­mann ging, dass er sich schät­zen lie­ße, ein jeg­li­cher in sei­ne Stadt.

Da mach­te sich auf auch Josef aus Gali­läa, aus der Stadt Naza­reth, in das judäi­sche Land zur Stadt Davids, die da heißt Beth­le­hem, dar­um dass er von dem Hau­se und Geschlech­te Davids war, auf dass er sich schät­zen lie­ße mit Maria, sei­nem ver­trau­ten Wei­be; die war schwan­ger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebä­ren soll­te. Und sie gebar ihren ers­ten Sohn und wickel­te ihn in Win­deln und leg­te ihn in eine Krip­pe; denn sie hat­ten sonst kei­nen Raum in der Her­ber­ge.

Und es waren Hir­ten in der­sel­ben Gegend auf dem Fel­de bei den Hür­den, die hüte­ten des Nachts ihre Her­de. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klar­heit des Herrn leuch­te­te um sie; und sie fürch­te­ten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürch­tet euch nicht! Sie­he, ich ver­kün­di­ge euch gro­ße Freu­de, die allem Volk wider­fah­ren wird; denn euch ist heu­te der Hei­land gebo­ren, wel­cher ist Chris­tus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zei­chen: Ihr wer­det fin­den das Kind in Win­deln gewi­ckelt und in einer Krip­pe lie­gen. Und als­bald war da bei dem Engel die Men­ge der himm­li­schen Heer­scha­ren, die lob­ten Gott und spra­chen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frie­de auf Erden bei den Men­schen sei­nes Wohl­ge­fal­lens.

Und da die Engel von ihnen gen Him­mel fuh­ren, spra­chen die Hir­ten unter­ein­an­der: Lasst uns nun gehen gen Beth­le­hem und die Geschich­te sehen, die da gesche­hen ist, die uns der Herr kund­ge­tan hat. Und sie kamen eilend und fan­den bei­de, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krip­pe lie­gen. Da sie es aber gese­hen hat­ten, brei­te­ten sie das Wort aus, wel­ches zu ihnen von die­sem Kin­de gesagt war. Und alle, vor die es kam, wun­der­ten sich über die Rede, die ihnen die Hir­ten gesagt hat­ten. Maria aber behielt alle die­se Wor­te und beweg­te sie in ihrem Her­zen. Und die Hir­ten kehr­ten wie­der um, prie­sen und lob­ten Gott für alles, was sie gehört und gese­hen hat­ten, wie denn zu ihnen gesagt war.“

(Luther­bi­bel, revi­diert 2017, © 2016 Deut­sche Bibel­ge­sell­schaft, Stutt­gart)

Advent 2016: Worauf wir warten…

[advent­ca­len­dar calendar=„advent-2016”]

Advent in St. Jost

Jahreslosung 2016

Jahreslosung 2016

Man­del­frucht (Losung aus Jesa­ja 66,13, Foto: pixabay.com)

…dass das Licht der Weihnacht uns leuchtet

Weihnachtsaltar

Weih­nachts­al­tar in der Uni­ver­si­täts­kir­che (Foto: Jörg Rust­mei­er)

Kyrie, Kyrie elei­son.
Kyrie, Kyrie elei­son.

Lass dei­nen Frie­den unter uns erstrah­len
und befreie uns in dei­ner Lie­be,
Herr, wir bit­ten dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für Frie­den in der Welt,
und Ver­söh­nung unter den Völ­kern
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Dass wir Wege fin­den, die Güter der Erde
bes­ser unter allen Men­schen zu tei­len,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für alle, die auf der Flucht sind,
die Hil­fe und Asyl brau­chen,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für alle, die nach Lösun­gen suchen,
die sich für Frie­den und Gerech­tig­keit ein­set­zen,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für das Zusam­men­le­ben in unse­rem Land,
um Tole­ranz und Mit­ge­fühl
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…

Für uns alle, die wir hier ver­sam­melt sind,
dass das Licht der Weih­nacht uns leuch­tet,
bit­ten wir dich: Kyrie, Kyrie elei­son…


Für­bit­ten­ge­bet zu Weih­nach­ten 2015 -
gesun­gen von Chor und Gemein­de am 4. Advent
in der Uni­ver­si­täts­kir­che

Selig…

Tsauchab/Namibia

In jener Zeit, als Jesus die vie­len Men­schen sah, die ihm folg­ten, stieg er auf einen Berg. Er setz­te sich, und sei­ne Jün­ger tra­ten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehr­te sie.

Er sag­te: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Him­mel­reich. Selig die Trau­ern­den; denn sie wer­den getrös­tet wer­den. Selig, die kei­ne Gewalt anwen­den; denn sie wer­den das Land erben. Selig, die hun­gern und dürs­ten nach der Gerech­tig­keit; denn sie wer­den satt wer­den. Selig, die Barm­her­zi­gen; denn sie wer­den Erbar­men fin­den. Selig, die ein rei­nes Herz haben; denn sie wer­den Gott schau­en. Selig, die Frie­den stif­ten; denn sie wer­den Söh­ne und Töch­ter Got­tes genannt wer­den. Selig, die um der Gerech­tig­keit wil­len ver­folgt wer­den; denn ihnen gehört das Him­mel­reich.

Selig seid ihr, wenn ihr um mei­net­wil­len beschimpft und ver­folgt und auf alle mög­li­che Wei­se ver­leum­det wer­det. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Him­mel wird groß sein.

Mat­thä­us 5,1–12a

Wie wer­de ich glück­lich?

Glück­lich bin ich, wenn ich nicht mehr hun­ge­re, denkt der Hun­gern­de; wenn ich nicht mehr trau­rig bin, denkt der Trau­ern­de; wenn ich gesund bin, denkt der Kran­ke.

Ich bin glück­lich, den­ke ich mir oft, wenn es bei der Arbeit gut läuft; wenn ich beruf­lich Erfolg habe; wenn es in der Fami­lie rund läuft, alle zufrie­den und gesund sind; wenn ich mit mei­nen Freun­den zusam­men sein kann; wenn ich Freund­schaft, Aner­ken­nung und Lie­be erfah­re, wenn das Wet­ter schön ist; wenn ich Frei­zeit habe; wenn ich ver­rei­sen kann; wenn ich mir mei­nen beschei­de­nen Wohl­stand leis­ten kann; wenn ich kei­ne Angst vor der Zukunft haben muss.

Ich wäre glück­li­cher, wenn ich mehr glück­li­che Men­schen um mich her­um sähe; wenn es weni­ger Leid gäbe — hier und welt­weit; wenn poli­tisch beherz­ter gehan­delt wür­de; wenn Armut, Hun­ger, Elend und Krieg ent­schie­de­ner bekämpft wür­den; wenn es mehr Frie­den und Gerech­tig­keit in der Welt gäbe.

Und hier fan­gen mei­ne Sor­gen an, bei mir selbst: Sor­gen um mei­ne Fami­lie; Sor­gen um mei­ne Mit­men­schen; Sor­gen um die Welt. Sor­gen um die Zukunft. Das Sor­gen erscheint manch­mal wie eine Ein­bahn­stra­ße, die in eine unge­wis­se Rich­tung führt.

Jesus stellt das alles auf den Kopf. Er emp­fiehlt ande­re Wege: Frie­den stif­ten, Barm­her­zig­keit üben, ein rei­nes Herz haben, Gerech­tig­keit suchen, gewalt­los han­deln. So wird man glück­lich — auch wenn das Leben das noch nicht zeigt! Doch Jesus gibt die fes­te Zusa­ge, dass selbst Armut, Trau­er und Ver­fol­gung nicht hin­dern, dass das Glück kom­men wird.

Jörg Rust­mei­er — Evan­ge­li­sche Mes­se, Uni­ver­si­täts­kir­che, 5. Novem­ber 2015
(Foto: Land­schaft am Tsauch­ab River, Nami­bia — Jörg Rust­mei­er)

Valid XHTML 1.0 Transitional

71 Abfragen in 6,302 s
universitaetskirche.de
läuft mit WordPress