Archiv: Oktober 2012

Gemischte Gefühle — Universitätsgottesdienste im Wintersemester

Gemis­chte Gefüh­le (The­ater­maske in Ostia Anti­ca, Foto: Jörg Rust­meier)

Die bib­lis­chen Texte steck­en voll wider­sprüch­lich­er Gefüh­le wie das Leben selb­st. Gott wird uns vorgestellt in Zorn und Eifer­sucht, Jam­mer und Liebe. Und eben­so vielfältig empfind­en die Men­schen – in ihren Beziehun­gen untere­inan­der, aber auch in ihrer Gottes­beziehung. Die Verbindung zu Sinnlichkeit und Gefühl ist für die religiöse Rede unverzicht­bar. Denn in dem sich the­ol­o­gis­che Aus­sagen mit Gefühlen verbinden, wer­den sie uns lebendig. Glaube, so Mar­tin Luther, ist eine Sache des Herzens. Das Heilige, so Rudolf Otto, löst im Men­schen allererst emo­tionale Reak­tio­nen aus, ehe es eine sprach­liche Deu­tung find­et. Die Gottes­di­en­strei­he fol­gt wesentlichen Gefühlser­fahrun­gen nicht nur in der Predigt, son­dern auch in kleinen The­ater­szenen, die von Studieren­den insze­niert wer­den, und in der Musik.

Der erste Gottes­di­enst in der neuen Rei­he der Uni­ver­sitäts­gottes­di­en­ste hat das The­ma „Wut“. Er wird zum Semes­ter­auf­takt am Son­ntag, dem 21. Okto­ber um 10.00 Uhr mit Abendmahl gefeiert. Die Predigt hält Prof. Dr. Karl Ping­géra. Musikalisch wird der Gottes­di­enst von Kan­tor Gerold Vor­rath auf der Orgel gestal­tet.

Liebe, Angst und Scham – Uni­ver­sitäts­gottes­di­en­ste im Novem­ber 2012

Gemeinsam unterwegs — Friedensweg der Religionen am 6. Oktober

Den öffentlichen Friedensweg der Reli­gio­nen ver­anstal­tet der Runde Tisch der Reli­gio­nen seit 2010. Er begin­nt um 17.45 Uhr in der Moschee am Mar­bach­er Weg und führt über das Rathaus, wo sich die Bahá’í-Gruppe vorstellt, über die evan­ge­lis­che Uni­ver­sität­skirche und das bud­dhis­tis­che Shamb­ha­la-Zen­trum zur Syn­a­goge in der Liebigstraße.

Wer an den in Mar­burg leben­den Reli­gion­s­ge­mein­schaften Inter­esse hat, ist ein­ge­laden, sich dem Weg anzuschließen. An allen Sta­tio­nen wird es kurze Ein­führun­gen in den Ort und Textle­sun­gen geben. Dies wird einen Ein­druck von der Atmo­sphäre der jew­eili­gen Reli­gion ver­mit­teln. Auf dem gemein­samen Weg kön­nen sich die Teil­nehmenden über das Gese­hene und Gehörte unter­hal­ten und befra­gen. Dreiein­halb Stun­den unter­wegs zu sein, ist anstren­gend, aber es bietet mehr Möglichkeit­en als ein Vor­tragspro­gramm: konkrete Erfahrun­gen, direk­te Ansprech­part­ner, neue Kon­tak­te.

Die Mar­burg­er Reli­gion­s­ge­mein­schaften wollen deut­lich machen, dass sie trotz aller verbleiben­den Unter­schiede ein gemein­sames Ziel haben: den äußeren und inneren Frieden, zu dem sie auf unter­schiedliche Weise beitra­gen. Spir­ituell wach zu sein heißt, sich aufzu­machen, Schritte zu wagen, gemein­sam und auf einan­der zu; es heißt, den Aus­tausch zu suchen und Erkan­ntes in die Tat umzuset­zen.

Michaelismesse am Donnerstag, dem 4. Oktober um 19 Uhr

Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ (Psalm 91,11) – Das ist der mit Abstand beliebteste Bibel­spruch, den Eltern für ihre Kinder zur Taufe auswählen. Die Erzen­gel Michael, Gabriel und Raphael ste­hen nach kirch­lich­er Tra­di­tion für den Sieg Gottes über die Macht des Bösen. In der Michaelismesse wird dieser Sieg gefeiert. Her­zliche Ein­ladung!

Hans Mem­ling (ca. 1433–1494): Erzen­gel Michael (1480)

Schweigender Dienst“ vor „Dem Heiligen“ in St. Jost

Eines der orig­inell­sten und meist­gekauften the­ol­o­gis­chen Büch­er des 20. Jahrhun­derts erschien im Jahr 1917: „Das Heilige“. Sein Unter­ti­tel lautet pro­gram­ma­tisch: „Über das Irra­tionale in der Idee des Göt­tlichen und sein Ver­hält­nis zum Ratio­nalen“. Sein Ver­fass­er, der Mar­burg­er Uni­ver­sität­spro­fes­sor Rudolf Otto (1869–1937), gehörte zu den Pio­nieren der Reli­gion­swis­senschaft. Er unter­nahm Forschungsreisen in den Nahen und den Fer­nen Osten. Die Gegen­stände, die er davon mit­brachte, bilde­ten den Grund­stock für die Reli­gion­skundliche Samm­lung in der Alten Land­gräflichen Kan­zlei. Zum Werk Ottos wird es vom 4. bis 7. Okto­ber 2012 einen Forschungskongress am Fach­bere­ich Evan­ge­lis­che The­olo­gie geben.

Otto ging davon aus, dass der Men­sch „das Heilige“ erfahren kann und zwar als „das Ganz Andere“, als „Mys­teri­um“, das ihn erschaud­ern lässt und ander­er­seits fasziniert. Weniger bekan­nt ist, dass Rudolf Otto auf der Grund­lage sein­er Erken­nt­nisse über „das Heilige“ Über­legun­gen und konkrete Konzepte „Zur Erneuerung und Aus­gestal­tung des Gottes­di­en­stes“ in Buch­form veröf­fentlichte. Die „Anbe­tung“ Gottes sollte auch in der christlichen Liturgie beson­deren Aus­druck find­en, und zwar als eigentlich­er Höhep­unkt des Gottes­di­en­stes nach der Wortverkündi­gung in der Predigt. Otto schlug vor, dass die Gemeinde dabei, angeleit­et mit den Worten „Der Herr ist in seinem heili­gen Tem­pel. Es sei stille vor ihm alle Welt“ (Habakuk 2,20), niederkni­et und im „schweigen­den Gedenken“ innehält. Nach diesem „schweigen­den Dienst“ erhebt sich die Gemeinde auf einen dreifachen Glock­en­schlag hin und betet gemein­sam das Vaterunser. Für diesen Gottes­di­enst stand Otto mod­ell­haft die Mar­burg­er St.-Jost-Kapelle vor Augen, wo er entsprechende litur­gis­che Ver­suche in über­schaubar­er Runde unter­nom­men hat­te. Ottos Arbeit in St. Jost wurde übri­gens im Jahr 1936 vom Kirchen­vor­stand der Lutherischen Pfar­rkirche, zu der das Kapellchen damals gehörte, als „Wieder­bele­bung“ des gottes­di­en­stlichen Lebens in St. Jost gewürdigt.

Rudolf Otto: Zur Erneuerung und Aus­gestal­tung des Gottes­di­en­stes, S. 98 f. (PDF)

Rudolf Otto suchte auch nach einem anschaulichen Zeichen im Kirchen­raum für Gottes Gegen­wart, der sich die Gemeinde schweigend und dann anbe­tend näherte. Ein Altarkreuz war dazu weniger geeignet, weil dies eben speziell für Gottes Offen­barung in Jesus Chris­tus, den Sohn, ste­ht. Otto ent­warf einen Raum, der ent­fer­nt an St. Jost erin­nert, doch wesentlich weit­er war. Er wird bes­timmt von einem zen­tralen Bild-Sym­bol, das zur Anbe­tung Gottes führt. Die in Ottos Buch wiedergegebene Zeich­nung zeigt einen Chor­raum, an dessen Ostrand, über dem Altar auf einem großen, licht­durch­fluteten Glas­fen­ster die Inschrift „Vater unser“ zu lesen ist. Im „schweigen­den Gedenken“, beschlossen vom gemein­samen, wie eine Gebets­formel gesproch­enen Vaterunser sah Rudolf Otto gle­ich­sam ein Sakra­ment, das „das Heilige“, näm­lich Gottes Gegen­wart unmit­tel­bar erfahrbar macht.

Wolf­gang Huber

Lit­er­atur

Gottesdienste im Oktober 2012

Universitätskirche

Do 04.10. 19.00 Uhr mit Abendmahl in Form der Evangelische MesseMichaelismesse
Jablon­s­ki / Huber / Rust­meier
So 07.10. 18. nach Trini­tatis 10.00 Uhr Elsas
Do 11.10. 18.45 Uhr
19.00 Uhr
Orgelves­per
mit Abendmahl in Form der Evangelische MesseHage
So 14.10. 19. nach Trini­tatis 10.00 Uhr Huber
mit Taufe
Do 18.10. 18.45 Uhr
19.00 Uhr
Orgelves­per
mit Abendmahl in Form der Evangelische MesseDick­mann / Rust­meier
So 21.10. 20. nach Trini­tatis 10.00 Uhr mit AbendmahlUni­ver­sitäts­gottes­di­enst mit besonderer Musik
Prof. Ping­géra
Do 25.10. 18.45 Uhr
19.00 Uhr
Orgelves­per
mit Abendmahl in Form der Evangelische MesseZim­mer­mann
So 28.10. 21. nach Trini­tatis 10.00 Uhr Geiger

Kapelle St. Jost

Sa 06.10. 17.00 Uhr mit AbendmahlElsas
Sa 13.10. 17.00 Uhr Huber
Sa 20.10. 17.00 Uhr Nie­mann
Sa 27.10. 17.00 Uhr Geiger

St. Jakob, Begegnungszentrum „Auf der Weide“

Fr 05.10. 16.00 Uhr Lang­stein
Fr 19.10. 16.00 Uhr Nie­mann
mit Abendmahlmit Abendmahl
mit Abendmahl in Form der Evangelische Messemit Abendmahl in Form der Evan­ge­lis­che Messe
mit besonderer Musikmit beson­der­er Musik
Regelmäßige Veranstaltungen im Oktober 2012

Philippshaus

Di 15.00 Uhr Krabbel­gruppe (bis 3 Jahre)
und Kinder­gruppe (4–8 Jahre)
(außer in der Ferien­zeit)
Di 18.00 Uhr Trauer­gruppe
(am 1. und 3. Dien­stag im Monat)
Kon­takt: Sil­via Möller, Tel. (06421) 913911
und Petra Styra, Tel. (06421) 36314
Mi 10.30 Uhr Gedächt­nis­train­ings­gruppe
(am 2. Mittwoch im Monat)
Do 15.00 Uhr Offen­er Gemein­de­nach­mit­tag:
25.10. „Eine Run­dreise durch Kroa­t­ien und Slowe­nien“
mit Margrit Fritze
Do 20.15 Uhr Kan­tor­ei
Fr 15.00 Uhr Gespräch­skreis Friedrich­straße 20
(am 3. Fre­itag im Monat)
Fr 19.30 Uhr Bib­lis­ch­er Gespräch­skreis
(am 1. Fre­itag im Monat)

Gemeindehaus Ost

 

Mo 20.00 Uhr Anonyme Alko­ho­lik­er I
Mi 18.30 Uhr Nar­cotics Anony­mous
Do 15.00 Uhr Offen­er Gemein­de­nach­mit­tag:
04.10. „Hil­fre­iche Grund­ken­nt­nisse im Brand­schutz“
mit Lothar Schott
18.10. „Das liebe Geld“
mit Pfr. Hans-Horst Althaus
Fr 20.00 Uhr Anonyme Alko­ho­lik­er II

Universitätskirche

Do 18.45 Uhr Orgelves­per
(im Anschluss um 19.00 Uhr Evan­ge­lis­che Messe)

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